Volleyball : Erster Schritt nach Peking

Guter Start ins Olympia-Qualifikationsturnier: Die deutschen Volleyballer schlagen Taiwan 3:0.

Felix Meininghaus

Düsseldorf Zehn Minuten vor Spielbeginn legte Stelian Moculescu persönlich Hand an: Um die Antenne, die als seitliche Netzbegrenzung fungiert, zu fixieren, wickelte der Bundestrainer Klebeband um die Maschen. Eigentlich sollte sich ein Mann in seiner Position so kurz vor Beginn eines Olympia-Qualifikationsturniers mit solchen Dingen nicht beschäftigen. Es wird aber in Moculescus Selbstbildnis gepasst haben, schließlich ist er überzeugt, dass ohne ihn nicht viel läuft im deutschen Volleyball. Anschließend machte sein Team vor 3000 Zuschauern im Düsseldorfer ISS Dome mit dem 3:0 (25:18, 25:15, 25:17) gegen Taiwan den ersten Schritt nach Peking. Der 39. der Weltrangliste hatte wenig entgegenzusetzen, vor allem im athletischen Bereich offenbarte sich ein Klassenunterschied.

„Wir wollten dieses Spiel klar gewinnen“, sagte Kapitän Björn Andrae, „für uns war es wichtig, so gut wie möglich ins Turnier zu kommen.“ Gegen Kuba heute und vor allem gegen Europameister Spanien am Sonntag wird es wesentlich schwieriger, die beiden Siege zu holen, die zur Erfüllung eines lang gehegten Traums fehlen. Es wäre die erste Olympia-Teilnahme eines Teams des Deutschen Volleyball-Verbands (DVV) seit 1972 in München. Damals waren die DVV-Männer als Veranstalter automatisch dabei, sportlich qualifiziert haben sie sich indes noch nie.

Entscheidend wird sein, ob die Achse Simon Tischer und Jochen Schöps in Düsseldorf zur Höchstform auflaufen wird. Der Spielmacher und der Hauptangreifer hatten die Friedrichshafener 2007 zum Gewinn der Champions League geführt, danach ging Tischer nach Griechenland, Schöps nach Russland. Seitdem fehlt die tägliche gemeinsame Trainingsarbeit. Doch gegen Taiwan agierte das Duo souverän, konnte jedoch seine Kombinationen auch ohne erkennbare Gegenwehr inszenieren. Geschont wurde hingegen Stefan Hübner, der Mittelblocker laboriert an einem Muskelfaserriss in der linken Wade. Gegen Kuba und Spanien soll er dem Team aber mit seiner Routine helfen.

Gegen Taiwan wurde Hübner nicht vermisst, zu schwach war der Gegner, um die Gastgeber ernsthaft zu fordern. „Wir wussten, dass dies nicht der Gegner sein würde, der uns alles abverlangt“, sagte Bundestrainer Stelian Moculescu. „Bei allem Respekt, das ist eine nette Mannschaft, aber diesen Stil hat man 1972 zu meiner Zeit gespielt.“ Der moderne Volleyball wird noch kommen, und dann wird sich zeigen, wie gut die Deutschen tatsächlich sind. Felix Meininghaus

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