Sport : Volleyball: Getrennt üben, gemeinsam siegen

Ernst Podeswa

Der eine in Berlin, der andere südlich von München - wie funktioniert so eine sportliche Fernehe? "Ganz einfach", sagt Andreas Scheuerpflug, "jeder macht seine Hausaufgaben allein, und im Wettkampf weiß jeder fast blind, was der andere macht oder vorhat." Scheuerpflug zog im Oktober von Freiburg, wo er sein Examen als Lehrer für Sport und Geografie gemacht hat, nach Berlin um. Der Grund für diesen Wechsel ist 1,82 m groß und heißt Martina. Genauer: Martina Stoof aus Potsdam, eine der besten deutschen Beachvolleyballerinnen. Im Volleyball-Sandkasten hat es auch Andreas Scheuerpflug, 1,96 m lang, 33 Jahre alt, weit gebracht: Deutscher Meister der Beachvolleyballer 2000 und Olympiastarter in Sydney zusammen mit Oliver Oetke aus Murnau, 1,98 m groß und 32 Jahre. Oetke ist in der Nähe von München geblieben, vor allem wegen seiner ärztlichen Ausbildung. "Eigentlich wollten wir nach Sydney aufhören", sagt Scheuerpflug, "aber nachdem wir dort so früh und unglücklich ausgeschieden sind, wollen wir versuchen, es 2004 in Athen besser zu machen."

Und so nahm er keinen Job als Pauker an, suchte sich eine Bleibe in Berlin-Tiergarten, kurierte eine Schulterverletzung aus und hielt sich im Winter beim Hallen-Bundesligisten SC Charlottenburg fit. Dort probte er - allerdings nur im Training - als Libero. Das sind im Volleyball die Spieler, die man auch als "Bodenpersonal" bezeichnet: zuständig für Annahme und Hechtsprünge nach heranfliegenden Schmetterschlägen. "Ich habe wöchentlich je zweimal Kraftarbeit und Sprungkrafttraining gemacht und dreimal Übungen mit dem Ball." Als die Sonne höher stieg, hat er sich auf den Sandplätzen am Friedrichshain und in der Chausseestraße, wo 19 Beachfelder hergerichtet sind, mit den Berlinern Sandvolleyballern Sergej Sergejew, Falk Zimmermann und Torsten Schulz verabredet. "Ein ähnliches Programm hat sich Oliver Oetke zurechtgeschneidert." Als die beiden beim ersten großen Beachturnier Deutschlands in der Halle in Hannover Anfang April wieder vereint zuschlagen wollten, stoppte den athletisch kompakten Oetke eine Oberschenkelzerrung.

"Das Problem danach war weniger, die Abstimmung auf dem Feld wieder zu finden. Das ging schnell, weil wir seit 1999 viele Stunden gemeinsam geackert haben und jeder die Gedanken des anderen vorausahnt. Aber die ein Meter schmaleren und kürzeren Felder verlangen ein anderes Spiel - noch präziser, noch überlegter, technisch noch sauberer." Davon kann man sich am Sonnabend und Sonntag (jeweils 9 Uhr, Jannowitzbrücke) beim nationalen Mastersturnier mit den besten deutschen Damen- und Herrenduos ein Bild machen.

In diesem Jahr wollen Scheuerpflug/Oetke ihren dritten Meistertitel hintereinander in Timmendorf erschmettern und streben bei den Weltturnieren "möglichst Ränge unter den Top ten" an. Mehr wäre - darüber sind sich beide einig - "nur möglich, wenn wir dann die sportliche Fernehe beenden und als Profis täglich gemeinsam trainieren".

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