Sport : Volleyball: Kein Niveau, kein Geld

Nach einer mäßigen Saison mit verpasster WM-Teilnahme und vorzeitigem EM-Ausscheiden ist die weitere Aufbauhilfe für die deutschen Volleyballer schwer finanzierbar. Die vom ehrgeizigen Bundestrainer Stelian Moculescu geforderte Teilnahme an der Weltliga stellt den Deutschen Volleyball-Verband (DVV) vor Probleme. "Wir müssen Geld besorgen", sagte Verbandspräsident Werner von Moltke, der seit Monaten Sponsoren für das Kräftemessen mit der Weltelite im kommenden Jahr sucht. 500 000 Mark für Teilnahme und Produktionskostenzuschuss für das Fernsehen muss der DVV berappen, um sein Männerteam auf hohes Niveau zu bringen.

Der ehemalige Zehnkämpfer von Moltke ist dennoch zuversichtlich, finanzkräftige Unterstützung für sein "Treppenmodell" zu erhalten, von dem er sich langfristig einen großen Imagegewinn für den Volleyballsport erhofft. Die erste Stufe auf diesem Weg war das Comeback des Frauen- und Männerteams in der Weltliga in diesem Jahr, Stufe zwei ist die Frauen-WM im kommenden Jahr in Deutschland und Stufe drei die Männer-EM 2003 vor eigenem Publikum. "Und darum stellen wir die Weltliga-Teilnahme im kommenden Jahr auch nicht in Frage", sagte der DVV-Präsident am Freitag in Ostrau. Wenn der Erfolg allerdings nach weiteren Finanzhilfen ausbleibt, hat von Moltke keine Argumente mehr. "Wenn die Männer-Mannschaft bei der nächsten EM wieder die Vorrunde nicht übersteht, entsteht ein Riesenschaden für den Volleyballsport", betonte der Verbandschef.

Für Bundestrainer Moculescus Philosophie der kleinen Schritte sind die Begegnungen mit den weltbesten Teams auch in Zukunft absolut notwendig, um allmählich weiter zu kommen. "Insgesamt bin ich auch mit der EM zufrieden. Lediglich gegen Ungarn haben wir schlecht gespielt. Wir brauchen halt einfach Zeit, um die Spieler dorthin zu bekommen, wo sie hin sollen", sagte der DVV-Coach, dessen sportliche Bilanz in diesem Jahr ernüchternd ist: Sieglos in 12 Weltligaspielen, verpasste WM-Teilnahme und vorzeitiges EM-Aus trotz des überraschenden Erfolges gegen Olympiasieger Jugoslawien nach zuvor vier Niederlagen gegen Polen (1:3), Italien (1:3), Frankreich (1:3) und Ungarn (0:3). Unter dem Strich: In 23 Pflichtspielen 2001 gab es fünf Siege und 18 Niederlagen für das deutsche Team.

Beim Kampf um Medaillen, Prestige und Sponsorengelder sind die großen Favoriten bei den kontinentalen Titelkämpfen in Ostrau einmal mehr unter sich. Im Halbfinale muss sich Titelverteidiger Italien heute mit den heimstarken Tschechen messen, im zweiten Semifinale stehen sich Olympiasieger Jugoslawien und der EM-Zweite Russland gegenüber.

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