Sport : Volleyball: Kommunikation unter Zuspielern

Helen Ruwald

Immer wieder standen sie einander gegenüber, der alte und der neue Zuspieler des SC Charlottenburg. Der ältere in Polohemd und Cordhose, der jüngere im zunehmend verschwitzten Trikot mit der Nummer drei. In den Auszeiten des Volleyballbundesligaspiels zwischen dem SCC und dem TSV Unterhaching gestern in der Sömmeringhalle steuerte Mirko Culic, 38, Trainer, meist sofort auf Frank Dehne, 25, Spieler, zu, redete auf ihn ein, erklärte mit den Händen seine Taktik. Dehne lauschte, lachte - oder machte ein abweisendes Gesicht, als sei die Betreuung ein bisschen zu intensiv.

Doch sie wirkte, der SCC gewann in knapp zwei Stunden 3:1 (32:30, 25:21, 20:25, 25:21), die Heimpremiere des neuen Trainers war erfolgreich. 132 Mal trug Culic, 260-facher jugoslawischer Nationalspieler, bis 1998 das Trikot des SCC. Nach zwei Jahren USA und einem Jahr als Trainer bei den Frauen der Volley Cats kehrte Culic zurück, übernahm das Amt von Brian Watson. Dass er mit seinem Nachfolger auf der Zuspieler-Position besonders intensiv kommunizierte, hat nichts mit seiner Vorliebe für diese Rolle zu tun: "So kann ich am besten etwas bewirken, er hat jeden zweiten Ballkontakt."

Anweisungen hatte sein Team auch nötig. In dem Finnen Nisse Huttunen, dem Tschechen Lubomir Chladek und dem Bosnier Milorad Kovac standen alle drei ausländischen Zugänge in der Stammformation, Abstimmungsfehler blieben nicht aus. Vor allem im recht desolaten dritten Satz, als Culic den starken Außenangreifer Huttunen zunächst auf der Bank ließ. "Den verlorenen Satz muss ich vielleicht auf meine Kappe nehmen", sagte Culic, "wenn es läuft, darf man nicht wechseln." Statt öffentlich zu kritisieren, lobte er, "dass wir uns als Team präsentiert haben", das ein 6:10 in Satz vier drehte.

Während das Spiel stand Culic meist ruhig vor der Bank, Manager Niroomand war es, der lautstark antrieb: "Frank, Stimmung machen!". Auch, als der erste Saisonsieg perfekt war, zeigte Culic, dass große Emotionen ihm fremd sind. Erst als Mannschaftsarzt Stephan Temme ihm gratulierte, lachte Culic befreit. Der Einstand in Berlin war geglückt.

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