Sport : Volleyball-Nationalmannschaft: Vorwärts in die Vergangenheit

Ernst Podeswa

Auf den Zuschauerrängen kam ein bisschen Oktoberfest-Stimmung auf. Die Fans standen auf ihren Stühlen und jubelten. Es fehlten nur die Maßkrüge. Der Berliner Franko Hölzig schnappte sich eine schwarz-rot-goldene Fahne und animierte die Mannschaftskameraden zu einer Ehrenrunde. "Es waren grandiose Spiele in einer wahnsinnigen Atmosphäre. Wir hatten nur ein kleines Aufgebot von nicht mal zwölf Spielern, aber eine sehr gute Moral in der Truppe", erinnert sich Rene Hecht an die Sternstunde der deutschen Volleyballer in der Weltliga. Der Berliner war Kapitän jener deutschen Mannschaft, die 1993 in München Brasilien sensationell 3:1 und 3:2 besiegte. Brasilien gewann dennoch anschließend die Weltliga.

Wie vor acht Jahren erscheint Brasilien am Sonnabend (14 Uhr) und Sonntag (11 Uhr/Horst-Korber-Zentrum) zum Weltligavergleich als klarer Favorit. Immerhin kamen die Gäste in Sydney beim olympischen Turnier auf Rang sechs, während die Deutschen noch immer um die EM-Qualifikation bangen müssen. Bei ihrem ersten Auftritt in der Weltliga kamen die Deutschen in 44 Liga-Begegnungen zwischen 1992 und 1994 nur auf zwölf Siege. Als später der deutschen Mannschaft die Vergleichsmöglichkeiten in der Weltliga fehlten, rutschte sie sogar aus dem Teilnehmerfeld für die Europameisterschaft.

Nun aber soll ein Neubeginn gestartet werden. Mit Überredungskunst und einer Garantiesumme von rund 250 000 Mark hat Volleyball-Präsident Werner von Moltke der Formation des aktuellen Teamchefs Stelian Moculescu wieder Zugang zur Weltbühne verschafft. Gepritscht wird in vier Vierergruppen um ein Gesamtpreisgeld von 15 Millionen Dollar. Jedem Teilnehmer sind mindestens 760 000 Dollar garantiert. Das hört sich verlockend an. Doch sind die Kosten für die Gastgeber so hoch, dass der Deutsche Volleyball-Verband froh sein kann, wenn er die Liga ohne Verlust beenden kann. Doch von Moltke sagt: "Wenn wir in den Medien und in der Öffentlichkeit wieder wahrgenommen werden wollen, müssen wir in der Weltliga dabei sein." Dass nun einige Niederlagen drohen, stört ihn ebenso wenig wie den Bundestrainer Moculescu: "Dieses Jahr ist zum Lernen, angreifen wollen wir im nächsten."

Ansätze dazu bewies sein umformiertes Aufgebot trotz des 0:3 und 1:3 in umkämpften Sätzen zum Auftakt gegen die USA in Wuppertal. Der ehemalige Nationalspieler Rene Hecht empfiehlt seinen Nachfolgern: "Man sollte spüren, wie froh unsere Leute sind, gegen solche Klasseteams antreten zu dürfen."

0 Kommentare

Neuester Kommentar