Volleyball : Neuzugang mit 49 Jahren

Volleyball-Legende Riek-Bauer feiert ihr Comeback.

Oliver Trust[Stuttgart]
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Eingespieltes Team. Schon 1991 betreute Siegfried Köhler die deutsche Nationalmannschaft mit Renate Riek-Bauer (r.), jetzt...

Renate Riek-Bauer lacht gerne. Und sie findet vieles lustig. Auch, dass sie plötzlich neben Siegfried Köhler auf der Bank beim Volleyball-Bundesligaklub Allianz Volley Stuttgart sitzt und ihn beruhigen muss. Dass er, der 64-Jährige, auf sie, die 49-Jährige, hört, liegt vor allem an der Vergangenheit. Köhler war Bundestrainer des Deutschen Volleyball-Verbandes von 1999 bis 2005. Und Trainer der Auswahl der ehemaligen DDR. Die deutsche Rekordnationalspielerin Riek-Bauer spielte unter ihm, zum Beispiel bei ihrem 500. Länderspiel. Renate Riek-Bauer, das muss man noch dazu sagen, ist eine Legende im deutschen Frauen-Volleyball.

Man kann sich beim Blick auf die Karriere der beiden kaum mehr Kompetenz auf einmal vorstellen. Seit gut drei Wochen arbeiten beide wieder zusammen und stehen für ein neues ungewöhnliches Kapitel im Volleyball. Sie als Kotrainerin der Stuttgarter und Spielerin auf Abruf. Die Kotrainerin wäre keine große Neuigkeit. Aber dass sie auch auf dem Parkett wieder bereitsteht, erstaunt. Denn Renate Riek-Bauer war 49 Jahre alt, als sie wieder das Trikot überstreifte. Ihr letztes Bundesligaspiel hatte sie 15 Jahre zuvor absolviert. Es ist alles irgendwie unwirklich. Und dann noch die Kombination mit Köhler. Der war auch schon Rentner. Aber jetzt mischt er wieder mit.

Den Abend des 14. März 2009 werden beide nicht so schnell vergessen. Sie standen in der Hegel-Turnhalle im Stuttgarter Stadtteil Vaihingen. Die Designerin mit ihrem spektakulären Comeback als „Volleyball-Oma“ in der Bundesliga und er als Zuschauer. Stuttgart spielte gegen den VC Wiesbaden, gewann 3:1 und Köhler klatschte ebenso wie alle anderen Zuschauer Beifall für die Leistung der 49-Jährigen. Sogar die Gegnerinnen applaudierten.

Später unterhielt sich Köhler locker mit Rieks Ehemann Rüdiger Bauer und meinte beiläufig, wenn Hilfe gebraucht würde, solle man sich bei ihm melden. Die Meldung kam bald: Die Stuttgarter trennten sich vom Trainer und riefen Köhler an. Der wohnt 50 Kilometer entfernt in Kirchheim am Neckar, wollte aber nicht gleich Cheftrainer werden. Den Job übernahm Nachwuchscoach Jan Lindenmair. Dreimal pro Woche kommt Köhler nun zum Training.

Renate Riek-Bauer findet alles spannend. Auch die Frage, ob sie noch einmal spielen wird. „Wenn ich gebraucht werde, auf alle Fälle gerne.“ Sobald wieder ein Engpass entsteht, wird sie mehr trainieren und Urlaub nehmen. Dass sie sofort mithalten konnte, kommt nicht überraschend. Sie hatte auch nach ihrem Rücktritt viel Sport getrieben. „Es ist unglaublich, wie fit sie ist“, sagte ihr Mann.

Seine Gattin findet allerdings das Gesamtprojekt viel spannender. Die Volleyball-Abteilung ist Teil des Projektes „Stuttgart Indoors“, wobei sich Volleyballer und Bundesliga-Turner das Marketing, die Sponsoren und manchmal sogar die Zuschauer teilen und so Synergieeffekte erzielen. Das ist auch bei der neuen Ballsporthalle so, die 2011 fertig ist und in die umgebaute Arena des VfB Stuttgart integriert wird. „Das Produkt stimmt“, sagt sie. „Und das Konzept stimmt. Es macht riesig Spaß, Volleyball in Stuttgart wieder zu etablieren.“

Die Stuttgarter sind ein gutes Stück vorangekommen. Auch dank des Duos Riek-Bauer und Köhler. Die beiden denken schließlich auch in Sachen Verträge ähnlich. Vorerst sind sie noch bis Saisonende gebunden. Dann wird man sich zusammensetzen und neu überlegen. Sie, ob sie noch ein weiteres Jahr als Spielerin auf Abruf zur Verfügung steht, dann mit 50. Und er, ob die Familie ihn noch ein Jahr weiter machen lässt. Beide reizt eine Fortsetzung durchaus. Sie trotz ihrer 518 Länderspiele, ihn trotz zweier Olympiateilnahmen sowie dreier Weltmeisterschafts-Turniere.

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