Volleyball : Nicht mehr tragbar

Vor Beginn der Play-offs wird die Volleyball-Bundesliga vom Zwangsabstieg des VC Franken belastet. Der SC Charlottenburg ist in seinem Viertelfinale davon aber nur indirekt betroffen.

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Attacke. Der SCC startet heute gegen Rottenburg in die Play-offs. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Attacke. Der SCC startet heute gegen Rottenburg in die Play-offs. Foto: Kai-Uwe Heinrich

Berlin - Nur in Charlottenburg wurden am Montag keine Flüge umgebucht. Die Berliner Volleyballer sind nur indirekt davon betroffen, dass dem Konkurrenten VC Franken am Montag die Bundesligalizenz entzogen wurde. Zum Start der Play-offs spielt der SCC am Mittwoch wie geplant in der Best-of-three-Serie gegen den TV Rottenburg (19 Uhr, Sömmeringhalle). Bei den anderen Play-off-Teilnehmern dürften am Montag allerdings einige Reisepläne geändert worden sein. Und Bottrop rutschte unverhofft noch in Endrunde der besten acht Teams hinein. Für den VC Franken, der am Wochenende eigentlich gegen Düren um den Einzug ins Halbfinale hätte spielen sollen, ist die Saison vorzeitig beendet, der Zwangsabstieg beschlossen. Was sagt diese Insolvenz aus über eine Liga, die sich wegen des großen Leistungsgefälles ohnehin den Vorwurf gefallen lassen muss, eine Zweiklassengesellschaft zu sein?

Nicht so viel, da sind sich die Experten einig. „Man ist schnell geneigt, eine gesamte Sportart zu verurteilen“, sagt Thorsten Endres, Geschäftsführer der Deutschen Volleyball-Liga (DVL).„Doch hier handelt es sich um einen besonderen Fall.“ Denn in Franken ist offenbar der Vorsitzende des Vereins mit einiger krimineller Energie am Werke gewesen. Patrick Loos, der sich beim 2009 neu gegründeten VC Franken um die wirtschaftlichen Belange kümmerte, soll eine sechsstellige Summe veruntreut haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrugs und Veruntreuung gegen den zurückgetretenen Vorsitzenden. Loos war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

In der vergangenen Woche stellte Franken einen Insolvenzantrag, der schließlich den Zwangsabstieg nach sich zog. „Leider waren die vorgelegten Unterlagen für den Vorstand nicht ausreichend, um die Lizenzauflagen zu erfüllen“, sagt Thorsten Endres. Das sei bitter, Rückschlüsse auf den Zustand der Liga könne man daraus allerdings nicht ableiten.

VC Franken ist kein Einzelfall

Ist der Fall des VC Franken also einfach ein unglücklicher Einzelfall? Nicht ganz. Von weiteren Bundesligavereinen mit ernsthaften Finanzproblemen ist derzeit zwar nichts bekannt, auch wenn „die Wirtschaftskrise auch an der Sportart Volleyball nicht spurlos vorübergeht“, wie Endres zugibt. Die Netzhoppers Königs Wusterhausen gerieten in den vergangenen zwei Jahren öfter mal ins Trudeln – Spielerangaben zufolge sind dort jedoch alle Gehälter rechtzeitig gezahlt worden. Zuletzt wurde über die Verpflichtung eines neuen Sponsors und eine Namensänderung des Vereins spekuliert.

Das Grundproblem sei allerdings latent immer vorhanden, sagt SCC-Manager Kaweh Niroomand. „Aber nicht nur im Volleyball. Je kleiner der Verein ist, umso glücklicher ist er, wenn jemand kommt, um ihn zu retten.“ Oft reagierten die Verantwortlichen dann vorschnell, ohne genau zu prüfen, woher das Geld käme. So war es offenbar auch in Bamberg, als sich der Verein nach der Pleite der SG Eltmann neu aufstellte und Patrick Loos die Geschäfte übernahm. Es kam zu einer Kostenunterdeckung von rund 50 000 Euro monatlich, die dem Verein und der DVL jeglichen Spielraum nahm.

Für die DVL kommt der Zwangsabstieg äußerst ungelegen. Gerade wurde die Zusammenarbeit mit dem erfahrenen Sportvermarkter Peter Henke verkündet, der die Medienpräsenz steigern und einen Namenssponsor für die Liga finden soll. „Jedes Problem wirkt sich negativ auf die Vermarktung einer Sportart aus“, sagt Henke. „Das gilt ebenso für einen Tiger Woods auf der großen Bühne wie für den VC Franken auf einer kleineren Bühne.“ Henke sieht darin jedoch kein grundsätzliches Problem. „Die Deutsche Volleyball-Liga gilt europaweit als seriöser Arbeitgeber“, sagt Thorsten Endres. „Daran wird sich auch nach diesem Fall nichts ändern.“

Etwas Wehmut hört man dann doch noch in Charlottenburg heraus. Die DVL hätte auch die Möglichkeit gehabt, alle Saisonergebnisse Frankens zu streichen. Und damit auch die unnötige Niederlage der Berliner, die damit doch noch auf den dritten Tabellenplatz vorgerückt wären. „Natürlich war das unvorteilhaft für uns“, gibt Niroomand zu. „Aber der DVL-Vorstand hat das richtig und vernünftig entschieden.“ Am grünen Tisch zu gewinnen, ist schließlich auch nicht im Sinne einer spannenden Liga.

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