Volleyball : Persische Lehrstunden

Im Iran ist Volleyball auf dem Weg zur Sportart Nummer eins. Bei ihrem Gastspiel in Teheran überrascht die deutschen Volleyballer das starke iranische Team - und auch das Land selbst.

Klaus Wegener
Harter Gegner. Der deutsche Block (hinten) hatte gegen die iranische Offensive einige Probleme. Am Freitag musste sich die Nationalmannschaft 0:3 geschlagen geben, am Sonnabend siegte sie dann selbst 3:0.
Harter Gegner. Der deutsche Block (hinten) hatte gegen die iranische Offensive einige Probleme. Am Freitag musste sich die...Foto: promo

Der Lärm war ohrenbetäubend, 15 000 iranische Fans machten die Azadi Hall zum Hexenkessel, die gewaltigen Lautsprechertürme links und rechts neben dem Anschreibertisch waren fast überflüssig. Schon drei Stunden zuvor hatten sie die Sportstätte gestürmt, es war ja erst das zweite Heimspiel-Wochenende für sie bei ihrer Premiere in der Volleyball-Weltliga. Am Freitag peitschten die Zuschauer ihr Team noch zum 3:0-Sieg gegen Deutschland, am Samstag nutzten die frenetischen Anfeuerungsrufe aber nichts. Die deutschen Volleyballer zeigten sich nervenstark und siegten in drei Sätzen (25:21, 25:23, 25:22). Damit schlossen sie die Weltliga-Vorrunde auf Platz drei ab, mit 17 Punkten vor Serbien, dem Iran und Kuba.

Tags zuvor hatte sich Bundestrainer Vital Heynen verwundert die Augen reiben müssen. „Wir waren nicht vorbereitet auf so einen beeindruckenden Auftritt der Iraner“, sagte er. Seine Spieler liefen dem Geschehen nur hinterher, sie hätten nie am Spiel teilgenommen, sagte er. Mannschaftskapitän Jochen Schöps sah es nicht anders: „Sie haben uns die gesamte Partie unter Druck gesetzt, so dass wir nie unser Level erreicht haben.” Geplatzt war die Hoffnung von einer erneuten Finalrundenteilnahme wie im letzten Jahr, auch wenn davon zu Beginn der Weltliga im deutschen Lager niemand geträumt hatte. „Das war nie unser Ziel, wir sind wie die Iraner angetreten, um zu Lernen”, so Schöps.

Am Freitag zeigten jedenfalls die Iraner die höheren Lernergebnisse. Unter den Augen von Willi Lemke, dem UN-Sonderberater für Sport und Frieden, und seinem Freund, dem DVV-Präsidenten Thomas Krohne, zeigten sie „Volleyball mit Herz”, wie es ihr Coach Julio Velasco beschrieb. Der Argentinier, der in den 90er Jahren Italien in die Weltspitze führte, machte sich eher Sorgen „um Kopf und Verstand, damit sie nicht überdrehen“.

Velasco arbeitet im zweiten Jahr im Iran und hat gelernt, die Menschen und ihre Mentalität zu verstehen. „Ich dachte, unter dem iranischen Regime haben die Leute viele Ängste, so wie es jeder Ausländer vermutet“, sagt er. „Als erstes haben sie mir erklärt, wir sind nicht Araber, wir sind Perser. Darauf sind sie stolz.“ Es überraschte ihn, dass Frauen Autofahren dürfen, dass ihm bei den Pressekonferenzen viele Journalistinnen Fragen stellen. Natürlich gibt es Einflüsse religiöser Fanatiker. „Im letzten Jahr bei den Weltliga-Qualifikationsspielen gegen Japan waren beim ersten Spiel Frauen in der Halle und wurden auf Pressefotos und im Fernsehen gezeigt. Am nächsten Tag durften keine mehr in die Halle, weil sich irgendwer verletzt gefühlt hatte.“

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