Volleyball : SCC Tschechien

Stars aus dem Nachbarland bringen die Berliner Volleyballer voran.

Karsten Doneck

Berlin - Das Objekt der Begierde war ein anderes. Auf Jiri Popelka hatte der Volleyball-Bundesligist SC Charlottenburg bewusst ein Auge geworfen. Zum Vierländerturnier nach Leipzig fuhr SCC-Manager Kaweh Niroomand im Mai also mit der festen Absicht, den tschechischen Nationalspieler im Spiel gegen die USA zu beobachten – im Hinblick auf eine mögliche Verpflichtung. Dann aber trumpfte auf Seiten Tschechiens ein gewisser Martin Krystof als Libero dermaßen auf, dass beim SCC ein Umdenken stattfand. Heute im dritten Saisonspiel der Charlottenburger beim Deutschen Meister und Pokalsieger VfB Friedrichshafen stehen nun beide, Popelka und Krystof, in der Startformation des SCC.

„Er spielt nicht spektakulär, aber sehr, sehr aufmerksam“, lobt SCC-Trainer Michael Warm den neuen Libero. Dass sich die Charlottenburger den 26-Jährigen angeln konnten, entsprang einem Kraftakt der besonderen Art. Zwei Faktoren standen der Verpflichtung zunächst im Weg: der enorme Zeitdruck und die Sprachbarriere. Krystof besaß in seinem Vertrag mit seinem Klub Dukla Liberec eine Ausstiegsklausel, die zum Zeitpunkt des Turniers in Leipzig nur noch wenige Tage Gültigkeit hatte. Und um sofort in konkrete Verhandlungen zu treten, war der deutsche und auch englische Wortschatz des Spielers allzu begrenzt. Dem SCC kam zu Hilfe, dass Jaroslav Skach, seit 2003 beim SCC Zuspieler, ebenfalls für Tschechien spielt und nicht nur als Dolmetscher einsprang, sondern Krystof auch gleich die Vorzüge eines Engagements beim SCC schmackhaft machte.

Krystof wurde weich geklopft. Ohnehin drängen ja die tschechischen Nationalspieler ins Ausland. Daheim sind durch Volleyball keine Reichtümer zu verdienen, das Niveau der Liga ist nicht sonderlich hoch. Krystof wusste immerhin, auf was er sich sportlich bei einem Wechsel nach Berlin einlässt. Aus ein paar Testspielen mit Dukla Liberec in der Vergangenheit gegen den SCC kannte er seinen künftigen Klub bereits vage. „Der deutsche Volleyball hat einen guten Ruf“, sagte Krystof, „und ich hoffe, dass ich mein Spiel noch verbessern kann.“

Auch ohne Verbesserungen schwärmt Kaweh Niroomand schon jetzt von dem Neuen: „Der ist überragend: unglaublich schnell und gewandt. Er übernimmt sofort Verantwortung, er organisiert, er ist hellwach.“ Krystof selbst beseelt auch ein besonderer Ehrgeiz. „Vielleicht können wir ja mit meiner Hilfe Deutscher Meister werden“, sagt er. Inwieweit dieser Wunsch realistisch ist, kann der SCC heute beim VfB Friedrichshafen mal vorfühlen. Karsten Doneck

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