Sport : Volleyball: Schön singen reicht nicht für den Sieg

Helen Ruwald

Die Erste Volleyball-Bundesliga wird künftig ganz schön langweilig sein, so ganz ohne Eintracht Innova. In der Sporthalle in der Eilenburger Straße in Hellersdorf dürfen die Zuschauer auf dem Weg zu ihren Plätzen Luftballons in den Vereinsfarben gelb und schwarz zertrampeln. Auf den Trikots der Spieler stehen nicht Nachnamen, sondern Spitznamen, die Pressekonferenz leitet kein Manager, sondern André Fröhlich, ein netter Spieler in Socken. Zur Einstimmung vor dem Spiel bilden die Akteure einen Kreis und singen DJ Ötzis "... Oh! Ah! If you be my girl...". Eine Zeremonie, die eingeführt wurde, "weil es irrsinnig schwer ist, sich fallen zu lassen", sagt Stallmaier. Das Fallenlassen ist aber nötig, "weil der größte Druck der ist, den man sich selber macht." Vor allem, wenn man immer nur verliert, quasi abgestiegen ist - die mathematische Chance auf den Klassenerhalt aber noch da ist.

Doch das Singen half nicht. "Wir haben uns in dem Prestigeduell zu sehr unter Druck gesetzt", sagte Lars-Björn Freier, einer der fast Abgestiegenen, nach dem 1:3 (16:25, 17:25, 25:23, 14:25) im Lokalderby gegen den SC Charlottenburg. Zumindest künstlich herausgezögert hatten er und seine Kollegen die Niederlage am Sonnabendabend: Im dritten Satz, die Fans tranken schon Freibier, gingen sie plötzlich gar in Führung. Sie jubelten und spornten sich an - der reglose Stallmaier schien es gar nicht wahrzunehmen. Erst beim ersten Satzball riss auch er die Arme hoch. Wahrscheinlich war ihm klar, dass dieses späte Aufbäumen gegen den hoch konzentrierten Gegner nichts mehr ändern würde. "Ich weiß nicht, ob wir noch theoretische Chancen auf den Klassenerhalt haben", sagte er zwar - und lachte. Sechs Pluspunkte liegt der Vorletzte Innova vier Spieltage vor Schluss hinter dem Drittletzten Leipzig.

"Der zweite Platz sollte für uns realistischer sein als der Klassenerhalt für Innova," sagte SCC-Kapitän Marco Liefke. Sein Team ist Dritter und hat ein schweres Restprogramm. Innova kam als Aufbaugegner gerade recht. Mit Schwächen in Annahme wie Angriff tat das Team etwas für die angeknackste Psyche der Gäste, die zuletzt gegen Aufsteiger Leipzig und Friedrichshafen verloren hatten. "Ein verlorener Satz mehr könnte am Ende wichtig sein", sagte SCC-Manager Kaweh Niroomand, und "das war das letzte leichte Spiel, das wir hatten." Luftballons und Liederabende gibt es wohl künftig in Liga zwei. Die Sänger jedenfalls wollen größtenteils zusammen bleiben.

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