Volleyball : Von Charlottenburg nach Peking

Nach acht Jahren als Bundestrainer hat Stelian Moculescu eine ungewohnte Niederlage hinnehmen müssen. Sein Kapitän Frank Dehne will nicht mehr in der Volleyball-Nationalmannschaft spielen.

Friedhard Teuffel
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Im Kreise seiner Besten. Bundestrainer Moculescu mag kurze, präszise Ansprachen. -Foto: ddp

Berlin - „Das tut mir leid, ich mag ihn sehr gerne“, sagt Moculescu und ergänzt, dass Dehne es sich jederzeit anders überlegen könne, in seinen Kreis zurückzukehren. „Aber mit der Quote von einem Rücktritt in acht Jahren kann ich gut leben“, sagt Moculescu. Dehne und die Nationalmannschaft – dieses Thema ist nur auf den ersten Blick weit weg von den Volleyballspielern des SC Charlottenburg. Sie erfahren davon derzeit aus erster Hand: Dehne trainiert gerade mit ihnen in Berlin, und Moculescu, auch Trainer des VfB Friedrichshafen, kommt heute mit seinem Klub zu ihnen zum Pokal-Halbfinale (15 Uhr, Sömmeringhalle).

So kann jeder eine Antwort finden auf die Frage, die SCC-Libero Frank Bachmann formuliert: „Warum hört jemand, der acht Jahre dabei ist, vor der entscheidenden Chance auf?“ Die deutschen Volleyballspieler haben schließlich beste Aussichten, sich im nächsten Jahr für die Olympischen Spiele in Peking zu qualifizieren.

Der 31 Jahre alte Berliner Frank Dehne könnte dann auf jeden Fall mitfahren, wenn auch nicht mehr als Zuspieler Nummer eins. Dafür hatte Bundestrainer Moculescu Simon Tischler nominiert. Diese Herabstufung sei mit der „Position als Kapitän schwer vereinbar und hemmend auf meine Leistung“, fand Dehne, der für den polnischen Klub Olsztyn spielt. Außerdem habe es „Kommunikationsbarrieren“ zwischen ihm und dem Bundestrainer gegeben.

Moculescu vergleicht Dehne dagegen mit einem Fall aus dem Fußball: „Das ist so wie bei Jens Lehmann. Frank hat in den vergangenen drei Jahren nicht regelmäßig im Verein gespielt. Aber er hätte es auf jeden Fall verdient, bei Olympischen Spielen dabei zu sein.“ Und Kommunikationsbarrieren? „Ich bin jemand, der nicht viel schwätzt. Ich bin kein Wiederkäuer und versuche, mich kurz und präzise auszudrücken“, sagt Moculescu, „aber das ist doch keine Überraschung für jemand, der mich seit acht Jahren kennt.“ Nun wird sich Moculescu einen anderen Spieler für diese Position aussuchen müssen für die europäische Olympiaqualifikation vom 7. bis zum 13. Januar in Izmir. „Das ist eine Chance für die Jüngeren“, sagt der Bundestrainer. Zumal auch noch Mittelblocker Norbert Walter kurz zuvor bekannt gegeben hatte, nicht mehr für die Nationalmannschaft spielen zu wollen. Er gehörte allerdings nicht mehr zum engsten Kreis.

Mit langen Personaldiskussionen kann sich Moculescu derzeit jedoch nicht aufhalten. Denn jetzt fordert ihn der Verein. Die letzten beiden Spiele in der Champions League hat der Titelverteidiger VfB Friedrichshafen gegen den Russischen Meister aus Kazan verloren. Und jetzt das Pokal-Halbfinale beim SCC. „Der SCC ist stärker geworden, es wird ein guter Saisonabschluss mit einem sehr guten Spiel“, sagt Moculescu.

Sein Berliner Kollege Michael Warm hat die Rolle des SCC schon sehr differenziert eingeordnet. Seine Mannschaft sei in einer „klaren, aber keiner krassen Außenseiterposition“. Was seinen Respekt ausmacht, ist vor allem das Aufschlag- und Annahmespiel der Friedrichshafener. „Auch mit dem Rücken zur Wand bewahren sie noch Ruhe“, sagt Warm. Und was ihm ein bisschen Mut macht, ist die Hoffnung, „mit der richtigen Moral ins Spiel zu starten“.

Die Charlottenburger müssen an diesem Samstag jedenfalls eine höhere Trefferquote haben, als sie in ihrer Weihnachtstombola versprechen. Jedes zweite Los gewinnt, das wird nicht reichen gegen eine der besten Mannschaften Europas.

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