Sport : Volleyball-WM der Frauen: Ein Anruf und seine Folgen

Ernst Podeswa

In der größten Not griff Werner von Moltke zum Handy und wählte die Nummer des Regierungssprechers Uwe-Karsten Heye. Moltke wusste, dass Bundeskanzler Gerhard Schröder gerade Rheinland-Pfalz besuchte und dort seinen Parteifreund Kurt Beck treffen würde. Der ist Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und steht der Rundfunkkommission der Länder vor, hat also Zugang zu den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF. Moltke, Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes, ist überzeugt, dass sein Verband ohne dieses Telefonat mit dem Regierungssprecher nicht den Zuschlag für die Ausrichtung der Weltmeisterschaft der Frauen 2002 erhalten hätte. Denn die Intendanten, gerade mit einem Poker über Hunderte von Millionen Mark wegen der Rechte an der Fußball-WM mit der Kirchgruppe beschäftigt, hatten sich dem Projekt Volleyball-WM hartnäckig verweigert. Wegen der Produktionskosten von insgesamt 56 Volleyball-WM-Spielen in Höhe von zwei Millionen Mark, die nun zu 80 Prozent von ARD und ZDF und zu 20 Prozent von den acht deutschen Gastgeber-Städten sowie anderen Geldgebern übernommen werden.

Von Moltke argumentierte geschickt. Nicht die erstmalige Austragung einer Volleyball-WM mit 24 Ländern hier zu Lande war sein Ansatz. Er hatte ganz staatstragend drauf hingewiesen, dass diese WM eine Gelegenheit sei, Deutschland im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft als "weltoffen, gastfreundlich und sympathisch" zu präsentieren. So ein Ansinnen dürfe doch nicht an relativ geringen Geldsummen scheitern. Polen stünde übrigens bereit, die WM zu organisieren, samt aller Fernsehvorgaben seitens des Volleyball-Weltverbandes FIVB.

Heye schaltete den Kanzler ein, der vermittelte, ARD und ZDF spielten mit - und "die WM wird in Deutschland stattfinden", sagte Franz Schmied, der FIVB-Schatzmeister aus der Schweiz, nach einer Inspektionsreise durch die acht WM-Bewerberstädte Münster, Bremen, Stuttgart, Riesa, Dresden, Leipzig, Schwerin und dem Endspielort Berlin (Max-Schmeling-Halle). Aber Schmied sagte auch: "Es gibt noch eine kleine Einschränkung, denn derzeit erfüllt keine der Hallen alle unsere Vorgaben 100 Prozent." Auch nicht die Schmeling-Halle, denn dort verhindert ein Infowürfel die erforderliche freie Hallenhöhe bis 12,50 m, und auch die Lichtstärke auf dem Feld habe nicht die verlangten Luxwerte. Und doch hat die deutsche Bewerbung einen sehr viel besseren Eindruck hinterlassen als die der Konkurrenz. Am 18./19. Mai wird der der FIVB-Verwaltungsrat definitiv entscheiden, der endgültige Zuschlag an Deutschland ist nur noch eine Formsache.

Werner von Moltke ist am Ziel seiner Träume.

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