Volleyball : Zum Erfolg rotieren

Volleyball-Trainer Michael Warm setzt beim SCC Berlin auf die Flexibilität der Spieler. Die Berliner wollen Spitzenreiter Friedrichshafen überrumpeln.

Karsten Doneck

Berlin - Wenn fast nichts mehr geht, weiß Michael Warm oft noch einen Rat. Die Kreativität des Trainers führte jüngst dazu, dass im Rückspiel des Challenge-Cups bei AZS Olsztyn Sebastian Prüsener mal als Libero ausprobiert wurde. Auf diese Position hat beim Volleyball-Bundesligisten SC Charlottenburg Frank Bachmann schon eine Art Gewohnheitsrecht. Prüsener, sonst für Außenangriff und Annahme zuständig, bewährte sich trotz 1:3-Niederlage und des damit verbundenen Ausscheidens. Und zwar so, dass Manager Kaweh Niroomand sagt: „Ihn dort einzusetzen, ist eine Alternative, die wir uns offenhalten.“

Vielleicht kann der SCC mit dieser personellen Variante ja den VfB Friedrichshafen überraschen. Beide Teams treffen heute am Bodensee zu ihrem Bundesliga-Klassiker aufeinander: Erster gegen Zweiter – das verspricht nicht immer Hochspannung. Zu übermächtig ist der VfB geworden, zumal der Verein im Winter – koste es, was wolle – mit dem Brasilianer Idi Fausto Lima noch schnell einen Weltklassespieler hinzugeholt hat.

An den „Häflern“, wie sie daheim am Bodensee liebevoll genannt werden, vorbeizuziehen, scheint für den Rest der Liga utopisch zu sein. Ab und zu kann der SCC diesen Gegner wenigstens mal ein bisschen necken. In der vorigen Saison siegten die Charlottenburger in Friedrichshafen sensationell 3:2. Es war die erste Heimniederlage des VfB seit dem 18. April 2004, damals hieß der Gegner übrigens – SCC. In dieser Saison deklassierten die Charlottenburger im Pokal-Halbfinale in eigener Halle die Mannschaft von Trainer Stelian Moculescu im ersten Satz 25:13, um dann, verwundert über so viel eigene Chuzpe, das Spiel prompt 1:3 zu verlieren.

Alles Vergangenheit. „Wir konzentrieren uns auf das Hier und Jetzt“, sagt SCC-Zuspieler Jaroslav Skach. Trainer Warm wird sich also etwas einfallen lassen müssen. Wobei seine beste Rotation innerhalb der Mannschaft kaum steigerungsfähig ist. Als mit Falko Steinke und Milan Vasic beide Diagonalspieler gleichzeitig verletzungsbedingt eine längere Auszeit nehmen mussten, hatte Warm die Idee, Aleksandar Spirovski vom Mittelblock in die Diagonale zu stellen. Das ist so, als müsste im Fußball der Libero plötzlich Mittelstürmer spielen.

Im Saisonverlauf erwies sich diese Umstellung als Glücksfall. Steinke und Vasic, inzwischen genesen, kommen nur noch sporadisch auf der Diagonalposition zum Einsatz. „Unsere Aufgabe ist es, erfolgreich zu sein. Und Spirovski wird so lange dort spielen, bis ein anderer besser ist“, sagt Warm. Spirovski selbst hat sich mit der neuen Position längst arrangiert. „Manchmal denke ich, dass ich es jetzt ein bisschen leichter habe als vorher als Mittelblocker“, sagt er. Dass Sebastian Prüsener in neuer Rolle ähnlich einschlägt, dagegen wehrt sich aber der etatmäßige Libero Frank Bachmann. „Der ist ein Kämpfer vor dem Herrn“, sagt Niroomand über Bachmann. Karsten Doneck

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