Sport : Volleyballer feiern Zuschauerrekord

11 034 Fans wollen heute die beiden Pokalfinalspiele im Tennisstadion von Halle in Westfalen sehen

Karsten Doneck

Berlin - Erst einmal haben alle nur den Kopf geschüttelt. „Die Leute haben zu mir gesagt: ,Seid ihr verrückt. In eine so große Halle zu gehen und dann auch noch in ein Tennisstadion’“, sagt Thorsten Endres, der Geschäftsführer der Deutschen Volleyball-Liga (DVL). Doch Endres und seine Mitstreiter wollten experimentieren, ein Zeichen für den Volleyballsport hierzulande setzen. Also hielten sie an dem Gedanken fest, das deutsche Volleyball-Pokalfinale 2006 im Städtchen Halle in Westfalen auszutragen. Dort gibt es ein Stadion, das exakt 11 034 Zuschauern Platz bietet und besonders durch seine Tennis-Großveranstaltungen bekannt ist.

11 034 Fans beim Volleyball – unmöglich, meinten die Skeptiker, die Halle wird höchstens zu einem Drittel gefüllt sein. Sie sollten sich irren. Wenn heute in einer Doppelveranstaltung bei den Männern Friedrichshafen gegen Moers und bei den Frauen Schwerin gegen Münster ihre Pokalsieger ermitteln, wird die Gerry-Weber-Arena ausverkauft sein. „Wir sind selber überrascht“, sagt Werner von Moltke, der Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV). „Wir erwarten eine Initialzündung für den Volleyball“, sagt Endres.

Heute wird ein neuer Besucherrekord aufgestellt für Volleyball in Deutschland. Bisher lag die Bestmarke bei 9070 Zuschauern. Sie sahen das WM-Finale der Frauen 2002 in der Berliner Max- Schmeling-Halle. Die Idee, mit dem Pokalfinale in eine Großarena zu ziehen, kam dem DVV schon nach den Endspielen 2005 in der Bonner Hardtberghalle. Geschätzt rund 4500 Zuschauer quetschten sich in der für 3500 Zuschauer zugelassenen Halle. „Wir mussten einige hundert Interessierte wieder nach Hause schicken. Das darf nicht sein“, grollte damals von Moltke.

Auch die Dortmunder Westfalenhalle, Oberhausen, Stuttgart, Frankfurt und Leipzig standen als Finalort zur Debatte. Die Entscheidung fiel auch deshalb zugunsten von Halle, weil das Unternehmen Gerry Weber sein Know-how bei Großveranstaltungen einbrachte und auch Vermarktungshilfe anbot. Das Konzept ging auf. „Mit Halle – das wird schwer zu toppen sein“, prognostiziert von Moltke. Angedacht ist, das Volleyball-Pokalfinale „für zunächst einmal drei Jahre“ (Endres) in Halle zu installieren. „Vielleicht können wir uns ja ein Mekka schaffen – wie Wimbledon mit dem Tennis oder Berlin mit dem Fußball-Pokalfinale“, sagt von Moltke, denkt aber auch daran, weiter zu expandieren. „Klar gibt es noch Steigerungen. Wir könnten ja auch nach Köln gehen, dort passen 18 000 Leute rein.“

Seine Schulden kann der Volleyball- Verband mit den Einnahmen aus dem Pokalfinale freilich nicht tilgen. Zwar bringt das Pokalfinale allein aus den Eintrittsgeldern eine Bruttoeinnahme von rund 120 000 Euro, aber der größte Teil fließt an das Unternehmen Gerry Weber.

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