Sport : Volleyballer mit blutender Nase SCC konzentriert sich nun auf das Pokalfinale

Karsten Doneck

Berlin - Nisse Huttunen fiel sofort auf, dass etwas nicht stimmt. „Was hast du denn da an der Hand?“, fragte der Finne seinen Mitspieler Sebastian Prüsener nach dem zweiten Satz. Prüsener schaute an sich herunter, entdeckte Blut an seiner Hand, mit der er sich kurz zuvor durchs Gesicht gefahren war. „Ich war so stinksauer, da habe ich sofort Nasenbluten gekriegt. Das ist mir als Kleinkind häufiger passiert“, sagte Prüsener. Zum Ärgern gab es für die Volleyballer des SC Charlottenburg durchaus Anlass.

Im Achtelfinale der Champions League hatte die Mannschaft gegen Paris Volley eindreiviertel Sätze lang auf Weltklasseniveau gespielt. Dann kam bei einer 17:12-Führung der Bruch. Es war, als ob einem Mobiltelefonierer mitten im fröhlichen Wortschwall die Verbindung zusammenbricht. Paris Volley taumelte fast wie von selbst von einer Sekunde auf die andere aus tiefer Ratlosigkeit in die dominante Rolle hinein. Die Franzosen siegten am Ende mit 3:1 Sätzen.

Niemand traut dem auswärts eher gehemmt auftretenden SCC zu, im Rückspiel in Paris am nächsten Mittwoch eine Wende zu erzwingen. Fassungslos reagierten die Spieler des Deutschen Meisters auf ihren krassen Leistungsabfall. Erklärungen? Ursachen? Dazu fiel den Beteiligten wenig ein. „Auf einmal kam dieser Knick“, sagte Felix Fischer. „Warum? Wieso? Ich weiß es einfach nicht“, klagte Prüsener. Mannschaftskapitän Marko Liefke versuchte wenigstens, bei aller Enttäuschung ganz rational zu denken. „Selbst wenn wir 2:0 in Führung gegangen wären, hätte unser Gegner ja nicht aufgehört, Volleyball zu spielen, und wer weiß, ob wir am Ende wirklich 3:0 gewonnen hätten.“ Mit den vier Siegen in den acht Gruppenspielen der Champions League hat der SCC seine internationale Reife aber durchaus nachgewiesen.

Mirko Culic dachte nach der Partie gegen Paris einen Schritt weiter. „Schnell vergessen!“ forderte der Trainer. Am Sonntag steht der SCC im deutschen Pokalfinale in Bonn gegen den VfB Friedrichshafen vor der nächsten großen Herausforderung. Liefke sagt: „Da geht es bei 0:0 wieder neu los.“ Und ohne Nasenbluten bei Prüsener.

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