Volleys gegen Haching : Ein Monat Kündigungsfrist

Heute Abend treffen die Berliner Volleys auf Generali Haching in der Max-Schmeling-Halle. Hachings Volleyballer spielen so gut wie selten – und stehen vor dem Aus.

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Harte Gegenwehr. Hachings Volleyballer (hier Hirsch und Böhme) spielen heute im Pokal-Halbfinale gegen die Volleys.
Harte Gegenwehr. Hachings Volleyballer (hier Hirsch und Böhme) spielen heute im Pokal-Halbfinale gegen die Volleys.imago

Es ist nicht einfach ein Gespräch zu führen, wenn der Gesprächspartner dieses mit den Worten eröffnet: „Es gibt nichts zu sagen.“ Aber Josef Köck meint das nicht böse, der Manager des Volleyball-Bundesligisten Haching ist einfach nur ein wenig genervt von dieser einen Frage, die ihm nun seit mehr als einem Monat immer wieder gestellt wird: Gibt es einen neuen Hauptsponsor? Für die Volleyballer aus dem Landkreis München ist das eine existenzielle Frage.

Nach acht Jahren wird sich der aktuelle Hachinger Haupt- und Namenssponsor, die Generali-Versicherung, als Geldgeber verabschieden. Bis Mitte Januar geben sich die Verantwortlichen noch Zeit, einen oder mehrere neue Geldgeber zu finden, die gemeinsam rund eine Million Euro bereitstellen können. Ansonsten beginnt bei Haching die Rückabwicklung. „Wir müssen vorbereitende Maßnahmen treffen“, berichtet Josef Köck, „Spielerverträge kündigen, Wohnungsverträge kündigen – wir wollen das finanziell vernünftig absichern.“ Noch aber hofft Josef Köck, dass einem Geldgeber auffällt, wie gut das Produkt ist, das er gegenwärtig anzubieten hat. Denn die Volleyballer aus Unterhaching sind nicht weniger als die Mannschaft der Stunde in der Bundesliga.

In der Bundesliga haben die Hachinger seit der Niederlage im ersten Spiel in Berlin (1:3) nicht mehr verloren und führen die Tabelle an. Am Samstag treten sie erneut in Berlin an, im Pokalhalbfinale (19.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle). Die Gegner, die Berlin Volleys, wollen erstmals seit 2005 wieder ins Pokalfinale einziehen, doch die Hachinger bilden da eine riesige Hürde. Denn die Titelverteidiger wollen zum sechsten Mal in Folge ins Finale einziehen.

Josef Köck wird bei den Fragen nach den Gründen für die starke sportliche Form der Hachinger redseliger. Es ist ja auch ein erfreuliches Thema. „Wir haben eine junge Truppe mit einem Durchschnittsalter von 23 Jahren, die sich super versteht“, sagt der Manager, „möglich ist in dieser Saison alles.“  Also Meisterschaft und Pokalsieg. Im CEV-Cup steht das Team von Trainer Mihai Paduretu zudem im Viertelfinale. Haching bildet mit Friedrichshafen und den Berlin Volleys das Top-Trio im deutschen Volleyball. Umso tragischer für die Sportart, wenn sich Haching zurückziehen müsste.

„Es wäre ein Imageverlust für Volleyball“, sagt Josef Köck. Er sieht die Ursachen für die Probleme weniger in seiner Sportart begründet als vielmehr im Standort München. „Es gibt hier Fußball, Fußball, Fußball, Basketball und Eishockey“, sagt der Manager, „wir haben es schwer, in den Medien wahrgenommen zu werden.“ Auch die Hallensituation sei problematisch. „Wir haben bei der Olympiahalle und beim Audi-Dome angefragt, aber beide Hallen sind für uns nicht zu finanzieren“, sagt Köck. So spielen die Hachinger weiter vor 1500 Zuschauer in ihrem Heimatort vor den Toren Münchens.

Für die Berliner ist die ungesicherte Situation der Hachinger alles andere als ein Vorteil. „Diese Saison ist gesichert und falls es bei uns nicht weitergeht, können sich die Spieler für andere Vereine empfehlen“, sagt Köck. Zum Beispiel mit dem Einzug ins Pokalfinale. Benedikt Voigt

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