Sport : Volltreffer: Entmüden, was ermüdet war

Detlef Dresslein

Siebenundvierzigste Minute. Fünf, sechs Meter stand der Stürmer vom Tor entfernt. Heroisch warf sich ihm Bayern Münchens Torwart Oliver Kahn vor die Füße, und Ioan Viorel Ganea, der Stürmer des VfB Stuttgart, traf dennoch fulminant. Nicht ins Tor, sondern Kahn in die, naja, Körpermitte. Beziehungsweise auch das nicht ganz. Sondern etwas weiter unten.

Nun ist Oliver Kahn berüchtigt für eine eher aggressive Berufsauffassung. Da würgt er schon mal den eigenen Spieler (siehe: Herzog, Andreas), oder springt mit Kung-Fu-Technik durch den Strafraum (siehe: Dortmund, Borussia). Nun muss er aber auch einiges einstecken, seien es Tritte der eigenen Kollegen (siehe: Kuffour, Samuel) oder Golfbälle an den Schädel (siehe: Freiburg, SC).

Aber so was wie am Sonnabend beim 1:0-Sieg über den VfB Stuttgart dürfte selbst dem wilden Kahn arg mitgespielt haben, zumal Ganea nach seiner Erstattacke (samt nachfolgender mehrminütiger Behandlungsunterbrechung) gar nicht von seinem offensichtlichen Hauptziel des Nachmittags ablassen wollte und sich Minuten später neuerlich in der, äh, Sperrzone des Bayern-Torwarts verhedderte, worauf dieser wieder kurz gepflegt werden musste. Ganea konnte nachher nicht zu seinem Tun befragt werden, dafür Kahns Arbeitskollegen. "Das ist kein Problem, er hat schon eine Tochter. Er braucht das nicht mehr zu benutzen", analysierte Giovane Elber kühl. Hat leicht reden mit seinen zwei Knirpsen.

Aber was, wenn nun Katharina-Maria Kahn noch ein Schwesterlein will, oder Simone Kahn noch einen Sohn? Und überhaupt. Kahn selbst gönnte sich eine Verlängerung im Entmüdungsbecken. Lang saß er dort und entmüdete, was ermüdet war. Und er nutzte die Zeit, "um nachzusehen, ob noch alles da ist". Das hat er hinterher selbst so gesagt. Seine Kollegen waren da schon weg und vertrauten auf das offizielle Motto, das Kahn im Bayern-Jahrbuch wie folgt angegeben hat: "Gib niemals auf."

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