Sport : Vom Absteiger verspottet

Mit einem 0:2 in Bochum verspielt Stuttgart womöglich die Qualifikation für die Champions League

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Der VfL Bochum hat sich mit einer erstklassigen Leistung in die zweite Liga verabschiedet. Beim 2:0 über den hohen Favoriten VfB Stuttgart konnten die Westfalen den fünften Abstieg aus der Bundesliga nicht mehr verhindern. Einen Spieltag vor dem Ende der Saison haben sie vier Punkte weniger als der Tabellenfünfzehnte Borussia Mönchengladbach.

Dafür haben die Bochumer einen berühmten Nachbarn womöglich vor Schaden bewahrt. Mit einem Sieg im Ruhrstadion hätten die Stuttgarter, die ein miserables Spiel boten, Schalke 04 vom zweiten Platz verdrängt. VfBTrainer Matthias Sammer bemängelte, dass es seiner Mannschaft an Leidenschaft gefehlt habe. „Ich hätte auf dem Spielfeld gern mehr Emotionalität gezeigt“, sagte er. „Aber ich bin kein Spieler mehr.“ Während Sammer die „große Enttäuschung“ nach dem Schlusspfiff mit professioneller Ruhe kommentierte, sah sich sein Bochumer Kollege Peter Neururer emotional überfordert. Der VfL-Trainer, der den Klub verlassen wird, fühlte sich außerstande, an der Pressekonferenz teilzunehmen, und schickte als Vertreter seinen Assistenten Frank Heinemann. „Peter Neururer war immer für die Medien da, deshalb sollte man ihm verzeihen, wenn er an so einem Tag nicht kommt“, sagte Heinemann.

Anfangs strebten die Stuttgarter für ein paar Minuten forsch nach vorn, „aggressiver als in den vorangegangenen beiden Auswärtsspielen“, wie Sammer behauptete. Doch sie kamen rasch wieder vom Weg ab. Fast eine halbe Stunde kickten beide Parteien belanglos vor sich hin – ohne dass in den Strafräumen etwas Nennenswertes geschehen wäre. Die Schwaben traten nicht so auf wie eine Mannschaft, die sich für die Champions League qualifizieren will. Der VfB unternahm lange Zeit nichts, um die Bochumer Abwehr zu belästigen, die in 32 Begegnungen 68 Tore zugelassen hat. Nur Kevin Kuranyi wagte in der ersten Hälfte einen Schuss aufs Tor, verfehlte sein Ziel aber knapp. Statt seiner Mitstreiter animierte der Nationalstürmer offenbar den Gegner. „Wir haben in unserer Aggressivität nachgelassen und den Gegner aufgebaut“, sagte Sammer. Die Bochumer kamen plötzlich in Schwung und erarbeiteten sich Chancen im Minutentakt. Erst zwang Stürmer Edu VfB-Schlussmann Timo Hildebrand zu einer starken Abwehrreaktion, dann prüfte Christoph Preuß den Torwart. Bei seinem zweiten Versuch traf Edu den Pfosten. Vratislav Lokvenc beförderte den Ball zwar an seinen Bestimmungsort; bei seinem Kopfball stand er jedoch im Abseits.

Von einem Klassenunterschied zwischen dem Absteiger und dem Kandidaten für die Champions League war nichts zu sehen. Die Stuttgarter konnten sich zunächst nur über die Kunde aus Gelsenkirchen freuen. Dort führte Borussia Dortmund gegen den Tabellenzweiten Schalke 04. Allzu belebend hat dieses Zwischenergebnis auf die VfB-Profis nicht gewirkt. Während die Stuttgarter sich auch nach der Pause schwerfällig durch die gegnerische Hälfte schleppten, fanden die Bochumer für einen Nachmittag die Leichtfüßigkeit wieder, die ihnen vor einigen Monaten abhanden gekommen war. Mittelfeldspieler Misimovic schoss die Heimelf in Führung (60. Minute) und leitete so die Versöhnung mit den VfL-Fans ein. Nach den jüngsten Niederlagen gegen Mainz und Nürnberg hatten die Anhänger sich mit dem Gang in die zweite Liga längst abgefunden. Doch im letzten Bundesliga-Heimspiel zeigten sie sich versöhnlich, zumal nachdem Vratislav Lokvenc den Vorsprung ausgebaut hatte (71.). „Nur ein Jahr, dann sind wir wieder da“, sangen sie. Für den VfB hatten sie nur Spott übrig. „Und ihr wollt in die Champions League?“ An diesem Tag machten die Schwaben nicht den Eindruck, als wollten sie in diesen Wettbewerb. In der Form von Bochum haben sie dort auch nichts zu suchen.

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