Sport : Vom Arbeitsgericht zum Training

Union-Spieler Kurbjuweit erzwingt seine Teilnahme

Matthias Koch

Berlin - Das Berliner Arbeitsgericht hat entschieden. Richterin Katrin Salzmann erließ eine einstweilige Verfügung, nach der Mittelfeldspieler Tobias Kurbjuweit ab sofort wieder am Training der Regionalligamannschaft des 1. FC Union teilnehmen darf. „Bis zum Hauptverfahren muss der Kläger in Qualität und Umfang das gleiche Training erfahren wie jeder andere Regionalligaspieler des Vereins“, hieß es in der Urteilsbegründung. Sollte Union dieser gerichtlichen Anordnung bis zum Beginn des Hauptverfahrens, das wohl erst Anfang November stattfinden wird, nicht nachkommen, droht dem Verein ein Zwangsgeld. „Ich bin mit dem Urteil sehr zufrieden. Jetzt wird es richtig lustig“, freute sich Kurbjuweit.

Der 23-Jährige gehört zu den Aufstiegshelden der Köpenicker. Doch schon in der Endphase der vorigen Oberliga-Saison hatte Kurbjuweit schlechte Karten bei Trainer Christian Schreier. Bereits in der Sommerpause war klar, dass er trotz eines durch den Aufstieg bis 2007 automatisch verlängerten Vertrages nicht mehr zum Kader des Regionalligisten gehören solle. Schreier verbot ihm vor der Saison ebenso wie dem ehemaligen Kapitän Jörg Schwanke (37) die Trainingsteilnahme. Über die Gründe der Suspendierung herrscht bei Union Schweigen. Es kursieren nur Gerüchte. Mal heißt es, beide Spieler würden leistungsmäßig den Anforderungen nicht mehr genügen, dann wieder, dass sie Intrigen angezettelt haben sollen.

Schwanke und Kurbjuweit trainierten seit Juli teilweise am Vormittag allein. Wettkampfpraxis bekam das Duo nur noch in zwei Spielen von Unions zweiter Mannschaft, die der fünften Liga angehört. Ansonsten verweigerte der Verein Kurbjuweit und Schwanke das Spielrecht mit dem Argument, dass die Verbandsligaelf in erster Linie jüngeren Akteuren zur Ausbildung diene. Immerhin gestand der 1. FC Union Kurbjuweit und Schwanke im August ein Extratraining am Vormittag mit A-Jugend-Trainer Bernd Martins zu. Allerdings endete die Maßnahme mit dem Ende der Wechselfrist am 31. August.

Für Richterin Salzmann, die zugab, selbst keinen Fußballsachverstand zu haben, war entscheidend, dass Kurbjuweit „keine vertragsgemäße Beschäftigung“ erfahren hatte. Ihre Versuche, einen Vergleich herbeizuführen, scheiterten. Kurbjuweit, mit 4100 Euro Monatsgehalt wohl der am besten bezahlte Verbandsligaspieler Berlins, wollte vor Gericht vor allem die Teilnahme am Training der Regionalligaelf bis zum Jahresende erstreiten. Sein Anwalt Horst Kletke hatte zudem für den Fall einer Vertragsauflösung zum 1. Januar 2007 eine Abfindung von 20 000 Euro inklusive 2500 Euro Aufstiegsprämie gefordert.

Kurbjuweit will nun heute zum Training der Regionalligamannschaft erscheinen. Trainer Christian Schreier verweigerte dazu jeglichen Kommentar. Dafür war Jörg Schwanke, der am nächsten Dienstag in derselben Sache gegen Union streiten wird, umso auskunftsfreudiger: „Es ist nicht anzunehmen, dass bei mir anders entschieden wird.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben