Sport : Vom Athleten zum Entertainer

Lars Spannagel

Gehen wir an Heiligabend mit den Enkeln ins Puppentheater? Am 25. Dezember mit Onkel und Tante in die Deutsche Oper zum Barbier von Sevilla? Und am zweiten Feiertag? Die Dreigroschenoper im B.E.? Der neue Akin im Kino? Oder zu Alba gegen Göttingen? Auch wenn ein Sportverein in dieser Aufzählung ungewohnt ist – nicht erst seit diesem Jahr zählen Sportveranstaltungen zum selbstverständlichen Programm an den Feiertagen. Das ist nur normal.

Am Samstagabend wollten 10 452 Zuschauer Basketball in der Arena am Ostbahnhof sehen, viele brachten ihre Kinder mit, feiertagsfein geschniegelt und gescheitelt. Die Eishockeyspieler der Eisbären siegen auch rings um die Feiertage vor ausverkauften Rängen. Sportler sehen sich meist immer noch als Sportler – seitens des Publikums sind sie längst zu Entertainern oder Kulturschaffenden geworden. Und für die gilt: Sie müssen auftreten, wenn der Zuschauer Zeit hat. Die Weihnachtspartien der Premier League sind eine geliebte Tradition in England, die amerikanische Basketball-Liga NBA setzt ihr Spitzenspiel Cleveland gegen L.A. bewusst am 25. Dezember an.

So weit ist es in Deutschland noch nicht. Die Ansetzungen um die Feiertage sind aber ein Zeichen dafür, wie sehr der Sport zur Mainstream-Veranstaltung geworden ist. Einige Profis beschweren sich noch darüber, rund um die ruhigen Tage spielen zu müssen. Genauso gut könnte man aber verlangen, alle Theater und Kinos an Weihnachten zu schließen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar