Sport : Vom B-Team zum Meisterteam Die Basketballer der USA

feiern ihren WM-Titel

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Istanbul - Es dauerte eine Weile, bis es alle akzeptiert hatten. 40 Minuten lang hatten die Zuschauer gepfiffen, jetzt applaudierten sie ihrem Gegner – erst widerwillig, dann freundlicher. Die amerikanischen Basketballer freuten sich auf dem Podium in der Sinan-Erdem-Arena so ausgelassen, dass die türkischen Fans die Niederlage ihres Teams einigermaßen verschmerzen konnten. Mit 81:64 (42:32) hatten die Amerikaner am Sonntagabend den Gastgeber in einem weitgehend einseitigen Finale bezwungen und sich den ersten WM-Titel seit 1994 gesichert. Für das junge amerikanische Team bedeutete der Sieg nicht nur einen sportlichen Triumph, sondern auch eine Genugtuung.

„Es war eine große Motivation für uns alle, dass in den USA an uns gezweifelt wurde“, sagte Kevin Durant, der mit 28 Punkten erneut überragende Mann des Abends und wertvollster Spieler des Turniers. Center Tyson Chandler sagte grinsend: „Sie haben uns alle möglichen Namen gegeben: das B-Team, das Wiederaufbau-Team. Jetzt müssen sie uns Champions nennen.“

Bei dieser fast starlosen WM – auch der Deutsche Dirk Nowitzki und viele andere NBA-Profis hatten abgesagt – verbreiteten die Amerikaner wenig Glanz, überzeugten aber mit Willen, Teamgeist und Verteidigung. „Es hat einfach sofort Klick gemacht“, sagte Aufbauspieler Russel Westbrook, „Wir sind alle jung, wir wollen einfach gewinnen und Spaß haben.“ In der Vergangenheit waren die Amerikaner bei den in den USA als zweitrangig geltenden WM-Turnieren oft eher lustlos aufgetreten. „Wir haben jetzt eine Kultur entwickelt, die den internationalen Basketball studiert, respektiert und liebt“, sagte Trainer Mike Krzyzewski. „Das werden wir beibehalten.“

Für Olympia 2012 sind die USA nun qualifiziert, dann dürften auch NBA-Superstars wie Kobe Bryant oder LeBron James ins Team zurückkehren. Tyson Chandler machte sich darüber keine Gedanken: „Wir sind jetzt Weltmeister, das ist sonst niemand in der NBA. Diese Jungs werden es also nicht so leicht haben, ins Team zu kommen.“ Lars Spannagel

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