Sport : Vom Dopingfall zum Korbkönig

Michael Wrights Zeit in Berlin endete unschön – jetzt ist er der Star bei Albas heutigem Gegner Ankara

Helen Ruwald

Berlin - Wenn Michael Wright heute Abend in den Reihen des Gegners vertraute Gesichter sucht, muss der Basketballprofi von Türk Telekom Ankara zur Ersatzbank schauen. Dorthin, wo Alba Berlins Teammanager Henning Harnisch sitzt. Keiner der Spieler, mit denen der US-Amerikaner 2004/05 gemeinsam für Alba Berlin gekämpft hat, steht dort noch unter Vertrag. So sehr wie der Kader des Bundesligisten hat sich vor dem UlebCup-Spiel auch Wrights Situation geändert. „Den Ruf eines Dopingsünders wird man nur schwer los“, hatte Wright vor zweieinhalb Jahren gesagt, nachdem er wegen der Einnahme eines amphetaminhaltigen Medikaments zur Behandlung des Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndroms (ADHS) für 12 Spiele gesperrt worden war. Amphetamine stehen auf der Dopingliste.

Nun wird der 27-Jährige in der Türkei als „Korbkönig“ gefeiert, die Medien schrieben nach seinem Wechsel nach Ankara von einer „Bombe“ für die türkische Liga. Wright führt das Ranking der besten Uleb-Cup-Spieler an, macht im Schnitt 24 Punkte und ist bester Scorer der türkischen Liga. Beim Sieg in Siauliai (Litauen) steuerte Wright 37 Punkte bei. Der Effektivitätswert, in den alle statistischen Daten einfließen, war der dritthöchste, den ein Profi je in einem Uleb-Cup-Hauptrundenspiel erzielt hat. In der Vorsaison bei Pau-Orthez gehörte er zu den Top Ten der besten Euroleague-Spieler.

„Ich bin motiviert, weil ich gegen meinen alten Verein spiele, nicht wegen der Dinge von damals“, sagt Wright vor dem Aufeinandertreffen der Teams, die beide bisher zweimal gewonnen und einmal verloren haben. „Dinge passieren, und dann muss man mit seinem Leben weitermachen.“ Am 19. März 2005, nach dem Spiel gegen Ludwigsburg, war Wright positiv getestet worden. Alba Berlin wusste zwar von dem Medikament, die medizinische Abteilung um Mannschaftsarzt Gerd-Ulrich Schmidt hatte es aber versäumt, eine Ausnahmegenehmigung zu beantragen. Wright spielte nicht mehr für Alba, das Team scheiterte vor Ablauf der Sperre im Play-off-Halbfinale.

Obwohl Wright, der für die Berliner im Schnitt 14 Punkte machte, seine Medikation auf ein Mittel ohne Amphetamine umstellte, verlängerte Alba den Vertrag nicht. Quadre Lollis kam, Wright musste gehen. „Das ist Teil des Geschäfts“, sagt Wright, „ich war nicht überrascht.“ Als beste Zeit seines Lebens bezeichnete er die Monate in Berlin ein Jahr nach der positiven Dopingprobe, „alle im Klub haben mich nach der Sperre toll unterstützt.“ Wrights Furcht, wegen der Dopingsperre kein neues Angebot zu bekommen, war unbegründet.

Ob bei Besiktas Istanbul, in Pau-Orthez oder jetzt in Ankara: Wright begeisterte nach seinem Weggang aus Berlin überall. Das freut auch Marco Baldi. „Michael ist einer der Top-Spieler in Europa. Er ist ein feiner Kerl, der damals unverschuldet in eine schwierige Situation gekommen ist. Die Lage, in der wir gemeinsam waren, war kritisch“, sagt Albas Geschäftsführer. Wright habe gelernt, dass es nicht reiche, wegen des ADHS „im Sommer mal in den USA beim Arzt vorbeizugehen. Er weiß, dass er sich kümmern muss“. Und so fragte Wright bei der Welt-Antidoping-Agentur nach, ob das neue Mittel auch wirklich erlaubt sei.

Seither hat er keine Probleme mehr gehabt und sammelt Punkt um Punkt, 29 waren es zuletzt gegen Kolejleri Ankara. Doch Baldi warnt davor zu sagen, „lasst uns Michael aus dem Spiel nehmen, dann läuft es“. Dazu habe Ankara zu viele starke Spieler. Abgesehen davon wäre ein solches Vorhaben wohl sowieso zum Scheitern verurteilt: Michael Wright lässt sich derzeit nicht aus dem Spiel nehmen.

Mitarbeit: Thomas Seibert

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