Sport : Vom Erfolg überrascht

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Von Ingo Wolff

Düsseldorf. Die Nacht endete am Frühstückstisch. Im gediegenen Hotel „Am Seestern“ in Düsseldorf hatte sich am Sonnabend, so gegen Mitternacht, eine feierfreudige Gesellschaft eingefunden. Das Footballteam von Berlin Thunder hatte Räumlichkeiten in der Nähe der Hotelbar geordert. Kurz zuvor hatte es im Düsseldorfer Rheinstadion das Kunststück fertig gebracht, als erster europäischer Football-Champion seinen Titel in der zehnjährigen Liga-Geschichte erfolgreich zu verteidigen. Mit dem 26:20-Erfolg im Finale gegen Rhein Fire sollten die Berliner ihren Vorjahres-Triumph in der NFL Europe wiederholen. Entsprechend ausgelassen wurde gefeiert. Geplant war das so nicht.

Kaum jemand hatte nach dem Saisonfehlstart ernsthaft erwartet, dass Thunder überhaupt zum World Bowl nach Düsseldorf reisen würde. Dreimal in Folge mussten die Berliner den Gegner mit einem Sieg vom Platz lassen. Und nach einer 0:3-Auftaktbilanz hatte es noch kein Team ins Finale geschafft. Doch Headcoach Peter Vaas ließ sich – vor allem wegen der jeweils knappen Resultate – nicht entmutigen. Er glaubte an die Stärken seines Teams und predigte den Spielern: „Schaut nicht zurück, sondern konzentriert euch nur auf das nächste Spiel.“ Sie haben die Maßgabe ebenso gut umgesetzt wie die Spielzüge, die ihnen Vaas vorgegeben hatte.

Besonders Quarterback Todd Husak steigerte sich nach anfänglichen Schwächen zum besten Spielmacher der Liga. Auch wenn er insgesamt ebenso viele Pässe in die Arme der Gegner schlug und damit sein Angriffsrecht verspielte, wie er den entscheidenden Pass zum Touchdown warf. Trotzdem wird er den Scouts der amerikanischen Profiteams mehr als nur eine Randnotiz wert gewesen sein. Düsseldorfs Trainer Pete Kuharchek brachte Husaks Stärken auf den Punkt: „Er ist der beste Teil der Berliner Offensive. Obwohl man ihn ständig unter Druck setzt, bringt er den Pass immer noch an den Mann.“ Husak bleibt bei allem Lob realistisch. Er steht bei den Denver Broncos unter Vertrag. „Dort bin ich nur einer von vier Quarterbacks. Ich fange wieder ganz unten an“, sagt Husak. „Die NFL mag Winner-Typen. Trotzdem haben wir alle eine lange und harte Saison vor uns.“

Das gilt für fast alle Spieler der NFL Europe. Nur die wenigen Nationals bleiben in Europa. Alle Amerikaner kehren nach drei Monaten zu ihren NFL-Teams zurück, die sie zum Erfahrungensammeln nach Europa geschickt haben. Auch die Thunder-Spieler fliegen heute von Frankfurt aus in die USA. Sieben Spieler und Trainer Vaas waren gestern zu einem Empfang im Roten Rathaus kurz nach Berlin zurückgekehrt. Doch auch für sie endet heute die Mission in Berlin. Im nächsten Jahr wird wieder ein vollkommen neues Team den World Bowl verteidigen müssen.

Deshalb konnten die meisten Spieler diesen Moment auch nicht mit dem vor einem Jahr vergleichen. Nur sechs Spieler haben überhaupt den Erfolg in Amsterdam miterlebt. Unter ihnen Jörg Heckenbach. Der Wide Receiver war nach dem Sieg so aufgedreht, dass er alle Fragen in Englisch beantwortete. Heckenbach freute sich als ehemaliger Düsseldorfer wohl am meisten über den Titel.

Aber nicht nur die Spieler haben jetzt gute Chancen in den USA. Auch die Ambitionen von Vaas auf eine Anstellung in der amerikanischen Footballliga (NFL) dürften nach dem zweiten Titel und seiner taktischen Meisterleistung gestiegen sein. Dass Vaas den Titel verteidigt, hatte er vorher geahnt: „Der zweite Titel an einem Datum mit so vielen Zweien. Das musste ja ein gutes Omen sein.“

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