Sport : Vom Fernsehen bis zur Telekom – alle bereiten sich vor

Corinna Visser

Berlin – Sie stehen nicht in den Startlöchern, sie sind viel weiter: Der Fernsehsender RTL hat sich über eine Tochterfirma gerade mit 30 Prozent an dem österreichischen Wettanbieter Starbet beteiligt. Seit einem Jahr schon betreibt der Sender mit RTLtipp.de eine Art Online-Annahmestelle für Sportwetten von Oddset. Sollte die Liberalisierung jetzt kommen, will RTL richtig loslegen. Das Geschäft mit Wetten und Spielen hat der Sender als „eines der Zukunftsthemen überhaupt“ identifiziert. Die Kalkulation ist einfach: Wer auf ein Spiel oder auch auf den Sieger bei „Deutschland sucht den Superstar“ gewettet hat, der schaut sich eine Sendung auch bis zum Ende an.

Kein Wunder, dass auch die Sender Premiere und DSF Interesse am Wettgeschäft bekunden. Branchenbeobachter sagen sogar, dass auch die Deutsche Telekom und die Deutsche Börse prüfen, welche Rolle sie in dem Markt spielen können. 432 Millionen Euro hat der staatliche Anbieter Oddset 2005 erlöst. Zum Vergleich: 2002 waren es 540 Millionen. Die schrumpfenden Einnahmen zeugen keineswegs vom schwindenden Interesse an Sportwetten. Neun Millionen Bundesbürger setzen Geld für Sportwetten ein, hat die Kölner Firma Sport+ Markt aktuell ermittelt. Anfang 2005 waren es erst knapp sieben Millionen. Die wettfreudigen Bürger weichen ganz einfach aus: Sie wetten im Internet oder in einem Wettbüro. Die Betreiber bieten die Sportwetten nicht selbst an, sondern vermitteln an ausländische Anbieter. Die sitzen meist in Österreich oder Großbritannien. Die Zahl der Wettshops steigt rasant: Die Berliner Finanzverwaltung beobachtet die Szene – und geht derzeit von 170 Wettbüros in der Stadt aus, nach 130 im Sommer 2005. Andere Experten gehen von einer weit höheren Zahl aus.

Auf zwei bis drei Milliarden Euro schätzt Wettexperte Jens Leinert den Markt für Sportwetten in Deutschland. Genau weiß das niemand – was im Netz eingesetzt wird, entzieht sich jeder Statistik. Im Jahr der Fußball-WM werde der Markt um 25 Prozent zulegen, erwartet Leinert. Andere gehen von weit größeren Wachstumsraten aus, schließlich gilt der deutsche Markt wegen der bisher so strengen Regeln als unterentwickelt.

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