Sport : Vom Glück der Kontinuität

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Stefan Hermanns über alte Bekannte und ein legendäres Turnierschnitzel

Glück, so hat der tschechische Schriftsteller Milan Kundera behauptet, Glück sei der Wunsch nach Wiederholung. In dieser Woche sind wir wieder glückliche Menschen. Das liegt zunächst an den German Open der Tennisspielerinnen; eigentlich aber liegt es daran, dass auf der Anlage des LTTC RotWeiß alles so ist wie im vorigen Jahr im vorigen Jahr im vorigen Jahr.

Eberhard Wensky, der Turnierdirektor, trägt zu allen offiziellen Anlässen wieder sein rot-weiß-gestreiftes Klubsakko, das alle Moden schon deshalb überdauert hat, weil es nie modisch war. Der Partyservice, der für die Verpflegung der Journalisten im Pressezentrum zuständig ist, liefert die gleichen Salate wie in jedem Jahr, die gleichen Buletten und das gleiche legendäre Turnierschnitzel, das ob seiner rätselhaften Konsistenz von den Kollegen in der Vergangenheit schon gewürdigt worden ist. Schon jetzt ahnt man, dass es spätestens am Mittwoch, wenn auch die letzte deutsche Spielerin aus dem Turnier ausgeschieden ist, wieder eine Pressekonferenz des Deutschen Tennis-Bundes geben wird, in der es um den Zustand des deutschen Tennis im Allgemeinen geht. Dabei wird dann – zur Überraschung aller – herauskommen, dass der Zustand des deutschen Tennis im Allgemeinen nicht allzu gut ist.

Auch die Gesichter sind immer noch dieselben wie vergangenes Jahr. Seltsam: Elf Monate und drei Wochen hat man all diese Menschen nicht gesehen, die Eintrittskarten kontrollieren, Kaffee ausschenken, Eis verkaufen und wichtige Informationsmaterialien verteilen; und doch gibt es dieses Gefühl der Vertrautheit, das vor einem Jahr in dieser einen Woche entstanden ist. Es ist ein bisschen so, wie alte Bekannte zu treffen.

Nichts ändert sich beim LTTC Rot-Weiß, und irgendwie hat das etwas sehr Beruhigendes in dieser Zeit, in der sich alles ändert. Ein bisschen störend ist nur, dass jedes Jahr andere Spielerinnen kommen.

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