Sport : Vom Glück des Scheiterns

Basketballer verfügen bis 2008 über ein starkes Team

Benedikt Voigt

Berlin - Dirk Nowitzki hat es wohl am härtesten getroffen. Am Abend des 13.August saß der Basketballprofi vor dem Fernseher und sah so manchen Kollegen aus der nordamerikanischen Profiliga NBA bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in das neue Olympiastadion von Athen einziehen: Tim Duncan kam als einer der Letzten des US-amerikanischen Teams in das Stadion, Yao Ming trug die Fahne des chinesischen Olympiateams. „Das zu sehen, hat schon weh getan“, sagt Dirk Nowitzki. Der 26-Jährige hatte mit der deutschen Nationalmannschaft die Teilnahme an den Spielen von Athen vor Jahresfrist bei der Europameisterschaft in Schweden verspielt. Doch wahrscheinlich war das gar nicht so schlecht.

Diese Erkenntnis reift inzwischen bei den Verantwortlichen des Deutschen Basketball-Bundes (DBB). „Wenn ich überlege, welche Mannschaft wir jetzt hätten, muss ich sagen, dass es vielleicht doch nicht so schlimm war“, sagt Sportdirektor Wolfgang Brenscheid. Mindestens Nowitzki würde heute wohl fehlen, wenn die Nationalmannschaft in Dortmund gegen Belgien (19.15 Uhr, live im DSF) ihr drittes EM-Qualifikationsspiel bestreitet. Auch andere Leistungsträger wie Patrick Femerling oder Ademola Okulaja hätten sich nach einer Teilnahme bei den Olympischen Spielen wohl verabschiedet. So hat das Scheitern positive Aspekte. „Diese Mannschaft hat es geschafft, einen schweren Moment zu überstehen“, sagt Brenscheid, „jetzt ist sie näher zusammengerückt.“

Mit neuem Trainer und ein paar neuen Spielern haben die Leistungsträger Patrick Femerling, Dirk Nowitzki und Ademola Okulaja ein neues Ziel vor Augen: die Olympischen Spiele 2008. Brenscheid sagt: „Diese Mannschaft hat ihren Zenit noch nicht überschritten.“ Allerdings ist sie auch noch nicht eingespielt, wie die ersten beiden EM-Qualifikationsspiele in der Ukraine (81:61) und gegen Ungarn (82:72) jeweils in der ersten Halbzeit zeigten.

Dass eine Mannschaft nach einem Höhepunkt auseinander brechen kann, hat Serbien und Montenegro gezeigt. Das Land holte 2004 den WM-Titel und musste prompt bei den Olympischen Spielen 2004 auf drei NBA-Spieler verzichten. Und landete nur auf Rang elf. Der DBB aber kann nach der Pleite von Norrköping weiter auf eine Mannschaft zurückgreifen, die sich mit Europas Besten messen kann. Mit Dirk Nowitzki in der Mannschaftsaufstellung ist sie für Zuschauer, Sponsoren und Fernsehen attraktiv. Das DSF überträgt fünf der sechs Qualifikationsspiele live.

Das aktuelle Team 2008 ist auch deshalb so wichtig für den DBB, weil keine weiteren Talente nachkommen. „Wo sind die Spieler danach?“, fragt Brenscheid. Der deutsche Nachwuchs ist international nur zweitklassig. Bundestrainer Dirk Bauermann hat in Misan Nikagbatse (22), Jan Jagla (23) und Johannes Herber (21) die vielversprechendsten Spieler bereits ins aktuelle Team beordert. Zudem haben es die deutschen Talente schwer, in der Bundesliga Spielzeit zu bekommen. Die Liga hat ihre Ausländerbeschränkung weiter gelockert. Brenscheid sagt: „Wir verfolgen diese Entwicklung mit großer Sorge.“

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