Sport : Vom Glück verfolgt

Mönchengladbach schlägt Kaiserslautern 4:1 und setzt sich unter den ersten fünf der Tabelle fest

Andreas Morbach[Mönchengladbach]

Wie stark die Fußballer von Borussia Mönchengladbach momentan zueinander halten, wurde gestern Nachmittag um zwanzig nach fünf deutlich. Der Rasen im Borussia-Park war vom Dauerregen getränkt wie ein nasser Schwamm, trotzdem saßen Borussias Fußballer fein nebeneinander aufgereiht auf dem Hosenboden. Die versammelte Spielerschar sprang erst auf, als das Kommando zum gemeinsamen Jubeln mit den Fans gegeben wurde, dieses Mal nach einem erstaunlich deutlichen 4:1 (3:1) gegen den 1. FC Kaiserslautern.

Gejubelt wird dieser Tage recht häufig in Mönchengladbach. Das Team von Horst Köppel findet sich nach zehn Spieltagen überraschend auf Platz fünf der Bundesligatabelle wieder. Der Trainer stellte allerdings korrekterweise fest, dass das Ergebnis gegen die Pfälzer etwas zu schmeichelhaft für seinen Verein ausgefallen war. „Das Ergebnis ist zu hoch“, gab Köppel zu, denn: „Kaiserslautern hat sich ja richtig gewehrt.“

Kaiserslauterer Widerstandskräfte sorgten unter anderem dafür, dass die Gladbacher Führung durch Jeff Strasser (11.) nur ganze drei Minuten alt wurde, dann gelang dem Pfälzer Angreifer Boubacar Sanogo der Ausgleich. Fortan war das Spiel ausgeglichen, bezeichnenderweise verhalfen dann aber die Gäste der Borussia zur erneuten Führung: Verteidiger Timo Wenzel gab einem bestenfalls halbgefährlichen Schuss des Borussen Hassan El Fakiri die entscheidende Richtungsänderung ins eigene Tor, gütigerweise wurde der Treffer aber offiziell dem Abwehrspieler der Gladbacher gutgeschrieben. Kaiserslauterns Trainer Michael Henke bewahrte Wenzel und seine Mannschaft vor weiteren Unglücksaktionen, indem er den 27-Jährigen zur Pause in der Kabine ließ und durch den von ihm hoch geschätzten U-19-Nationalspieler Fabian Schönheim ersetzte. Zuvor allerdings hatte Peer Kluge, Borussias Antreiber im Mittelfeld, mit dem Halbzeitpfiff zum 3:1 getroffen. „Das war die Schlüsselszene“, urteilten beide Trainer später unisono. Denn trotz weiterer Bemühungen der Gäste, die unter anderem zweimal in Strafstößen hätten münden müssen, trafen nach dem Wechsel nur die Gladbacher noch einmal: Der frühere Lauterer Strasser erzielte vier Minuten vor Schluss sein zweites Tor.

Einen Punkt trennt Kaiserslautern nun nur noch von einem Abstiegsplatz. „Das ist schon frustrierend, wenn man gegen eine Mannschaft verliert, die nicht besser ist als wir“, grollte der frühere Nationalspieler Christian Nerlinger, der zum ersten Mal in dieser Saison von Beginn an spielte. „Aber bei Gladbach ist eben zurzeit jeder Schuss ein Treffer.“ Oder wie der seit Wochen stark spielende Borusse Kluge anmerkte: „Wir haben im Moment einen kleinen Lauf.“ Um Kaiserslauterns momentane Spielweise adäquat zu beschreiben, musste der Vereinschef René C. Jäggi dagegen extra ein neues Wort erfinden: „Antilauf“.

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