Sport : Vom intelligenten Laufen

Armin Lehmann

Über eine Woche lang läuft die WM jetzt schon: bunt, heiter, schön. Das ist gut so, aber man kann ja mal fragen: Was haben wir bisher für einen Fußball gesehen? Kurz gefasst: drei Arten. Den Stop-and-go-Fußball, den TempoFußball ohne Effizienz und den kontrollierten Tempo-Fußball. Stop-and-go-Fußball ist allerdings eine hübsch verpackte Umschreibung für das, was beispielsweise die Franzosen gezeigt haben. Im Grunde sollte man das Kind beim Namen nennen: Standfußball mit wenig Kreativität. Sollten die Franzosen nichts ändern an dieser Art Fußball, werden sie nicht weit kommen.

Exemplarisch für den Tempofußball ohne Effizienz stehen die Mexikaner. Sie können das Tempo nicht variieren. Sie laufen das ganze Spiel wie aufgezogen von einem Ort zum anderen, dabei laufen sie sogar bestens organisiert im Viererverbund. Das macht nur Sinn, wenn sie den Ball erobern wollen. Ganz bestimmt könnten die Mexikaner Weltmeister im Ballerobern werden, aber ihr eigenes Aufbauspiel ist meist zu aufgeregt, das viele Laufen führt hier zu mangelnder Präzision, aber keineswegs zur Torgefahr. Sie laufen, anstatt den Gegner laufen zu lassen. Trotzdem könnte diese Art Fußball weit führen, weil er diszipliniert ist. Wenn die Mexikaner in erster Linie das Spiel zerstören dürfen, um dann zu kontern, werden auch Brasilien, Argentinien oder Italien Schwierigkeiten bekommen.

Den kontrollierten Tempo-Fußball nennt man in Spanien oder Südamerika „primer toque“, und der beste Klub der Welt spielt ihn: Barcelona. Jeder Jugendspieler der Welt kennt das Prinzip, weil es eine uralte Trainingseinheit darstellt. Der Ball muss nach nur einer Ballberührung weitergespielt werden, das schult im Training Tempo, Technik und Auge.

Argentinien und Brasilien können das auch im Spiel. Das zweite Tor der Argentinier gegen Serbien-Montenegro entstand aus einer „Primer-toque-Kombination“: Saviola-Riquelme, Riquelme-Saviola, Saviola-Cambiasso, CambiassoCrespo, Crespo macht zwei Ballberührungen und müsste im Training eine Strafrunde laufen, aber im Spiel darf er den Ball links annehmen, rechts zurück mit der Hacke auf Cambiasso passen: Tor. Wer so spielen kann, muss technisch perfekt sein, er muss aber auch das intelligente Tempospiel beherrschen. Das besteht nicht aus langen Läufen quer über den Platz (Elfenbeinküste, Angola), sondern aus unzähligen kurzen Sprints.

Noch drei Wochen. Mal sehen, welchen Fußball der Weltmeister spielt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben