Sport : Vom Kampf um Akzeptanz

Sebastian Moll

Der US-Profisport war sehr zufrieden mit sich selbst, als vor anderthalb Wochen im Superbowl-Finale erstmals in der Geschichte der Football-Liga NFL zwei schwarze Trainer an den Seitenlinien standen. Da konnte doch keiner mehr behaupten, dass die Sportorganisationen Klubs konservativer weißer Männer seien. Nach 41 Jahren hatte erstmals ein schwarzer Trainer die Superbowl gewonnen – eigentlich dürfte das kein Grund zum Feiern sein, sondern dieser Umstand kommt ziemlich spät. Wie weit der US-Sportbetrieb der Evolution sozialer Normen hinterherhinkt, wurde jetzt noch an einer anderen Front deutlich. Der ehemalige Center des Basketball-Teams Orlando Magic, John Amaechi, veröffentlichte seine Autobiografie „Man in the Middle“, in der er seine Homosexualität gesteht. Und nicht nur das – Amaechi legte genau dar, warum es ihm als Spieler unmöglich war, zu seiner Homosexualität zu stehen. Es ist eine schonungslose Beschreibung eines durch und durch homophoben Umfelds und macht deutlich, warum sich noch nie ein aktiver Profi in einer der vier großen US-Ligen zu seiner Homosexualität bekannt hat.

Die Homophobie, die „Angst, dass das Heiligtum der Umkleidekabine sexualisiert wird“, wie Amaechi schreibt, beginnt jedoch nicht erst auf Profiniveau. Ebenfalls in der vergangenen Woche gewann die College-Basketballerin Jennifer Harris eine Diskriminierungsklage gegen ihre ehemalige Trainerin Rene Portland und ihre ehemalige Universität Penn State. Portland hatte Harris als lesbisch identifiziert, sie deshalb erst auf die Bank gesetzt und dann aus der Mannschaft geworfen. Damit war nicht nur die Sportkarriere von Harris gefährdet, sondern auch ihr Stipendium. Dabei versichert Harris, dass sie heterosexuell ist. Dennoch ist das Urteil ein Meilenstein für homosexuelle Athleten. Es macht es in Zukunft bedeutend schwieriger, Spieler wegen ihrer sexuellen Orientierung auszusortieren.

Ein weiterer Fortschritt im Kampf Homosexueller um Akzeptanz im Sport war zu Jahresbeginn die Unterstützung eines Hollywood-Films mit schwuler Thematik durch die Eishockey-Liga NHL. In dem Film werden zwei Eishockeyspieler als schwules Paar gezeigt, das ein Kind aufzieht – Brokeback Mountain on Ice sozusagen. Die Toronto Maple Leafs erlaubten ausdrücklich, dass ihr Teamname und -logo für den Streifen verwendet werden. Sicher heißt das noch lange nicht, dass ab jetzt im Harte-Männer-Sport Eishockey schwule Spieler problemlos zu ihrer Sexualität stehen können. Aber es ist ein kleiner Riss in der ansonsten monolithisch homophoben Kultur des US-Sports.

An dieser Stelle erklären die US-Korrespondenten Matthias B. Krause und regelmäßig Phänomene aus dem amerikanischen Sport.

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