Sport : Vom Krankenbett direkt aufs Eis

Trainer Pierre Pagé ist zurück bei den Eisbären

Claus Vetter

Berlin. Pierre Pagé steht auf dem Eis und fuchtelt mit einem Eishockeyschläger durch die Luft. Die Frisur sitzt. Frisch geföhnt ist er, der Trainer des EHC Eisbären. Der Mann sieht blendend aus und ist voller Energie, pustet schnell mal in die Trillerpfeife. Soll heißen: „So nicht meine Herren.“ Doch verärgert ist kein Spieler der Eisbären über die flotten Kommandos des Chefs. Bei der Übungseinheit im Sportforum Hohenschönhausen ist eher eine kollektive Erleichterung zu spüren. Denn dass der Klub aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) nun wieder von seinem Cheftrainer betreut wird, danach hatte es noch am Mittwochmorgen nicht ausgesehen.

Für eine Woche weilte Pierre Pagé auf der HNO-Station der Park-Klinik Weißensee. Der 54-jährige Kanadier litt unter einer Infektion am Ohr. Gestern wurde er entlassen, um neun Uhr morgens. Nur 90 Minuten später bat Pagé dann im Sportforum schon seine verdutzten Spieler aufs Eis. „Sie haben aber sehr viel Energie“, sagte Stürmer Mark Kosick zu seinem Trainer. „Ja, vielleicht sogar zu viel“, lautete die Antwort. Auch Yvon Corriveau staunte nicht schlecht über die unerhofft schnelle Rückkehr seines Trainers: „Natürlich ist es toll, dass Pierre Pagé wieder da ist. Das gibt uns Spielern einen Schub.“ Allerdings, Gedanken machte sich Corriveau schon. „Eishockey ist eine Sache, die Gesundheit eine andere und wohl die wichtigere“, sagte der kanadische Stürmer in Diensten der Eisbären.

Da ist Hans Behrbohm, Chefarzt der HNO-Station der Park-Klinik Weißensee im Falle Pagé, einer Meinung mit Corriveau. „Pagé hatte eine vom Ohr ausgehende Infektionskrankheit, die wiederkehren könnte“, sagt der Arzt. „Allerdings ist die Infektion inzwischen gut ausgeheilt. Und so sind wir Pagés Wunsch, wieder bei den Eisbären einzugreifen, nachgekommen. Natürlich mit der Auflage, sich ein wenig zurückzunehmen. “

Nun ja, nach der vom Arzt geforderten Zurückhaltung sah es bei seinem ehemaligen Patienten nicht unbedingt aus. Für den Eisbären-Trainer gab es eigentlich nur ein beherrschendes Thema: das Spiel der Eisbären gegen die Schwenninger Wild Wings am Donnerstag (19.30 Uhr, Sportforum, Premiere überträgt live). „Mir geht es doch wieder bestens“, sagte Pagé. Hat der Aufenthalt im Krankenhaus denn gar keine Konsequenzen für ihn? Die Antwort fiel knapp aus: „Ich muss drei Mal am Tag Penicillin nehmen und das einen Monat lang.“

Ausführlicher hingegen wollte Pagé über Schwenningen referieren: „Die Wild Wings spielen sehr hart, wollen unbedingt vor Weihnachten noch viele Punkte holen.“ Und sind Tabellenletzter, Abstiegskandidat Nummer eins und wohl schon auf ihrer Abschiedstournee durch die DEL (siehe Kasten). Alles andere als ein klarer Erfolg der Eisbären wäre eine Überraschung.

Freilich, so ganz ohne Sorgen sind die Berliner, die in Abwesenheit Pagés am vergangenen Wochenende zu zwei Siegen kamen, derzeit auch nicht. Der Trainer ist wieder gesund, doch dafür müssen andere passen. Etwa Stürmer Florian Keller nach einer Zahnoperation oder auch Kellers Kollege aus der Offensivabteilung, Jeff Tomlinson. Der 32-jährige Kanadier wurde nach einem Kreuzbandriss und einem Einriss am Meniskus am Knie operiert, für Tomlinson ist die Saison beendet. Und das wiederum bedeutet Arbeit für Manager Peter John Lee. „Wir werden uns nach einem Ersatz für Jeff umschauen müssen“, sagt Lee.

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