Sport : Vom Meister zum Verlierer

Basketball-Bundesliga bestätigt am ersten Spieltag ihre Stärke

Benedikt Voigt

Berlin. Am wenigsten konnte der ehemalige Basketball-Bundestrainer Henrik Dettmann mit der Situation umgehen. Auf der Pressekonferenz in Ludwigsburg forderte der Trainer des Mitteldeutschen BC sogar Pfiffe und Buhrufe des Publikums heraus. Wie die „Welt“ berichtet, hatte Dettmann über einen missliebigen Artikel im Programmheft öffentlich gesagt: „Wenn das die offizielle Meinung des Klubs ist, dann tut mir das Leid, und es zeigt, dass Ludwigsburg weder Respekt für den Gegner noch für Basketball hat.“ Dann brach im Foyer des Sindelfinger Glaspalastes kurzzeitig ein Tumult aus.

Henrik Dettmann hatte am ersten Spieltag der Basketball-Bundesliga mit dem Mitteldeutschen BC bei EnBW Ludwigsburg verloren (73:74). Überraschend, weil sich der Klub in der Sommerpause mit Wendell Alexis sowie den Nationalspielern Stephen Arigbabu und Misan Nikagbatse verstärkt hatte. Doch der ehemalige Bundestrainer steht mit dieser Niederlage nicht alleine. Auch der siebenmalige Deutsche Meister Alba Berlin konnte bei den Gießen 46ers nicht gewinnen (96:98). Und das, obwohl Gießen zuvor seit 22 Spielen nicht gegen Alba siegte. Und dann ist da noch die Mannschaft, die nach einem Sponsorenwechsel auf den Namen GHP Bamberg hört. Die Bamberger reisten als stolzer Vizemeister der vergangenen Saison zu den Opel Skyliners nach Frankfurt. 13 Siege aus 13 Vorbereitungsspielen unterstrichen die Favoritenrolle. Als Verlierer (75:80) kehrte Bamberg zurück. Allerdings läuft noch ein Protest der Bamberger, weil die Anzeigetafel nicht funktionierte.

Die Basketball-Bundesliga beginnt, wie sie in den Play-offs der vergangenen Saison aufhörte: mit zahlreichen Überraschungen. „Es gibt keine leichten Spiele in der Bundesliga“, sagt Emir Mutapcic. Wie ein Mantra wiederholte der Trainer von Alba Berlin dies immer wieder. „Wir sagen das nicht, weil wir die Liga stark reden wollen“, erklärt Emir Mutapcic, „das ist die Realität.“ In der Saison 2002/2003 gewann Alba zwar zum siebten Mal in Folge den Titel, doch in der Hauptrunde sowie im Viertel- und Halbfinale hatten die Berliner große Schwierigkeiten. Auch Rheinenergie Köln musste die Ausgeglichenheit der Liga am ersten Spieltag feststellen. Die Kölner, die eigentlich in dieser Saison vieles besser machen wollen als in der vergangenen, verloren zum Auftakt in Braunschweig (78:91).

Die größte Überraschung aber gelang zweifellos der neu formierten Mannschaft der Gießen 46ers. „Gießen hat verdient gewonnen“, sagt Mutapcic. Für Alba wirft die Stärke der Liga ein Problem auf. Es gibt keine Spiele mehr, in denen sich die Spieler ausruhen können. Das ist besonders problematisch, wenn Alba ab November durch die Europaliga einer Doppelbelastung ausgesetzt sein wird. Und in der Bundesliga warten nach der Aufstockung auf 16 Teams vier zusätzliche Spiele. „Das ist eine neue Situation für uns“, sagt Mutapcic. Statt wie früher maximal zweieinhalb Stunden trainiert er gegenwärtig nur maximal zwei Stunden. Um die Belastung nicht zu groß werden zu lassen.

Mutapcic kann sich nicht erinnern, jemals mit Alba als Verlierer in die Liga gestartet zu sein. Nun rangiert er sogar nur auf Platz elf. Allerdings nach dem ersten Spieltag, weshalb Mutapcic sagt: „Zu so einem Zeitpunkt rede ich noch nicht über die Tabelle.“

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