Sport : Vom Präsidenten keine Spur

Robert Hartmann

"Endlich ist er wieder da, wo er hingehört." Der Mann am Lautsprecher lobte, während Dieter Baumann allein auf weiter Flur durch das Regensburger Universitätsgelände rannte, den früheren 5000-m-Olympiasieger in den höchsten Tönen. Im Ziel war der 37 Jahre alte Tübinger der neue Deutsche Crossmeister über 10 000 m (32:32 Minuten), 33 Sekunden oder fast 200 m vor dem Stuttgarter Damian Kallabis, dem Europameister über 3000 m Hindernis. Die zweijährige Dopingsperre ist zu Ende, und "der hat ein Pfund drauf, ganz stark, super", so die Lautsprecher-Durchsage.

Diesen Eindruck vermittelte Baumann dem beifallfreudigen Publikum, obwohl er selbst nach dem dreiwöchigen Höhentrainingslager in Kenia seiner Sache nicht sicher war, er sei sogar "unheimlich nervös" gewesen. Die Müdigkeit habe ihm eine Woche lang schwer in den Knochen gesteckt. Doch statt, wie mit seiner Ehefrau und Trainerin Isabelle besprochen, nach dem Startschuss zunächst einmal ruhig um sich zu schauen, zog er schon nach der ersten Kurve das Tempo an. "Vom Feeling empfand ich es als langsam." Wenn die Ostafrikaner fern sind, ist er immer noch der Star.

Baumann war da, aber die höchste Gratulationsinstanz fehlte, obwohl der Verbandspräsident Clemens Prokop nur rund zwanzig Kilometer entfernt wohnt. "Am Sonntag sagte Baumann endgültig zu, am Montag ließ Clemens über den Bayerischen Verband ausrichten, dass er einen anderen Termin habe", erzählte der Organisator Kurt Ring. "Er hätte sich bei einem alten Vereinskumpel wenigstens entschuldigen können." Denn als Aktiver gehörten die beiden der LG Regensburg an, und jetzt setzte der selbstbewusste Ring neue Qualitätsmaßstäbe für Cross-Titelkämpfe. Übrigens zum zweiten Mal hintereinander, weil sich kein anderer Ausrichter mehr gefunden hatte.

Nun kommt Prokop in dem Buch "Lebenslauf", in dem Baumann die zwei gesperrten Jahre aufarbeitet, am schlechtesten aller beschriebenen Personen weg. Dieser Samstag vertrug möglicherweise nur einen Hauptdarsteller, und der strebt schon weiter. Am 6. April will er in Camoirore (Italien) bei der European 10 000-m-Challenge die Europameisterschaftsnorm von 28:10 Minuten hinter sich bringen und dann am 21. April in Hamburg seine Marathonpremiere feiern. "Ich laufe schon so, dass ich es allen anderen schwer mache", hatte er in Regensburg mit Blick auf seine Gegner gesagt. Die 42,195 km sind da eine ungleich schwierigere Strecke, und deshalb stehe er "vor dem vielleicht schwierigsten Rennen meines Lebens". Es war zunächst nur der Aufgalopp, der ihm gelang.

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