Sport : Vom Prinzip Macht

Armin Lehmann

fragt sich, was Bundestrainer Klinsmann alles darf Wer ist eigentlich gerade der mächtigste Mann im deutschen Fußball? Lothar Matthäus ist es eher nicht, obwohl er gerne und häufig in der „Bild“-Zeitung reden darf. Gerhard Mayer-Vorfelder und Theo Zwanziger sind zwar die designierte Doppelspitze des weltgrößten Fußball-Verbandes, aber sehr viel zu sagen haben sie auch nicht. Normalerweise würde man die Frage immer und ewig mit Franz Beckenbauer beantworten, weil Macht ja auch bedeutet, dass man sagen kann, was man will und doch unangreifbar ist. Aber es sieht so aus, als ob der über allen Dingen schwebende Franz Beckenbauer seine bisher so unangefochtene Spitzenposition gerade verliert.

Der mächtigste Mann im deutschen Fußball heißt nämlich zurzeit eindeutig Jürgen Klinsmann. Das liegt vor allem daran, dass er einen Vertrag mit dem DFB unterschreiben durfte, in dem ihm diese Macht offiziell verliehen wurde. Nun nutzt er sie, und bisher nutzt er sie immer zum Wohle der Fußball-Nationalmannschaft, mit der er 2006 nichts Geringeres als Weltmeister im eigenen Land werden will.

Klinsmanns Entscheidungen, zum Beispiel die jüngste, sich von Torwarttrainer Sepp Maier zu trennen, waren plausibel. Und bei Meinungsunterschieden wie beispielsweise der Quartierfrage hat Klinsmann stets gute Argumente. Dennoch beschleicht einen das Gefühl, der Bundestrainer wolle eine Art Alleinvertretungsanspruch zum Prinzip machen. Ein Reformator im deutschen Fußball ist ja begrüßenswert, aber muss es unbedingt der brutalst-mögliche Reformator sein? Noch geht es nicht um die wirklich wichtigen Dinge, noch hat Klinsmann mit allem Erfolg. Wenn es aber einmal schlechter läuft für ihn, dann könnte es ratsam sein, sich nicht so zu verhalten wie ein störrischer Esel.

0 Kommentare

Neuester Kommentar