Sport : Vom Randsport zum Straßenfeger

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Handball heißt im polnischen Volksmund zungenbrecherisch „Szczypiorniak“. Der Name geht auf das westpolnische Dorf Szczypiorno zurück, in dem im Ersten Weltkrieg ein deutsches Lager für 4000 polnische Kriegsgefangene stand, die dort die Regeln des Handballspiels erlernten .

Am Sonntag haben die Polen die Möglichkeit, ihren einstigen Lehrmeistern zu zeigen, wer der Bessere ist: im WM-Finale. Schon jetzt steht fest, dass diese Begegnung im patriotischen Polen ein Straßenfeger wird, wenngleich Handball vor wenigen Tagen hier noch eine Randsportart war. Alles änderte sich, als Polen den Gastgeber Deutschland in der Vorrunde schlug . Noch im September fand ein Sieg zu Hause, im provinziellen Kielce, in einem Freundschaftsspiel über die Deutschen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Denn Handball wird meist auf einem der privaten Spartenkanäle übertragen.

Seit den WM-Siegen läuft Handball im öffentlich-rechtlichen TV . In Warschau sind jetzt schon sind die meisten Plätze in den angesagtesten Kneipen der Stadt für Sonntag reserviert. Der polnische Staatspräsidenten Lech Kaczynski wird sogar zum Finale nach Köln reisen. Für ihn und die meisten seiner Landsleute soll das Endspiel am Sonntag so etwas wie die Revanche für die Fußball-WM werden – für das in letzter Sekunde mit 0:1 verlorene Spiel gegen Deutschland in Dortmund. Olaf Sundermeyer, Warschau

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