Sport : Vom Tor zum Loch

Bevor aus Martin Kaymer ein Golfprofi wurde, kickte er in der B-Jugend von Fortuna Düsseldorf

Hartmut Moheit

Berlin - Elf Monate ist es her, da wäre Martin Kaymer vor Scham fast im Boden versunken. Die Szene auf dem Golfplatz in Velburg-Unterwiesenacker war dem damals 21-Jährigen peinlich: Am zweiten Tag des Habsburg-Classic-Turniers knieten seine Mitspieler am 18. Loch vor ihm nieder, der Engländer Lee Spencer bezeichnete ihn später sogar gar als „den besten Golfer, den ich je gesehen habe“. Was war geschehen?

Auf der EPD-Tour, der dritten Liga im Golf, die für Amateure das Sprungbrett für eine Profikarriere ist, hatte er den Par-72-Kurs mit 59 Schlägen bewältigt, was vor ihm noch keinem Deutschen gelungen war. Wer jedoch nach dieser Superrunde einen aufgelösten Junggolfer erwartet hatte, der Geste der Konkurrenten entsprechend, wurde enttäuscht. „Es klingt komisch, aber über die Runde mit 62 Schlägen am nächsten Tag habe ich mich noch mehr gefreut“, sagte das Talent aus Mettmann. „Eine Ausnahmerunde kann jedem mal gelingen, aber dann noch eine weitere folgen zu lassen, das schaffen nur ganz wenige.“

Von diesem Tag an begann der Aufstieg eines deutschen Nachwuchsgolfers, der zugleich wegweisend für die neue Generation sein könnte. Zwar kam Kaymer bereits mit elf Jahren über die Eltern mit dem Golfsport in Verbindung, aber zunächst einmal kickte er bis zur B-Jugend bei Fortuna Düsseldorf. „Er ist dadurch sehr fit und kann die Runden bewältigen, ohne sich physisch auszupowern“, sagt sein Trainer Günter Kessler. Kaymer bestätigt, dass er viel Fitness-Training betreibe: „In den Turnierpausen treibe ich Sport mit meiner Freundin: Laufen, Radfahren, Schwimmen und Squash.“ Diese Aussage charakterisiert Kaymer treffend. „Er ist ein Typ, der in Zukunft nicht abheben wird“, sagt Kessler.

Und noch eins ist von Bedeutung, wenn man Golfprofi werden möchte: Kaymer entschied mit 16 Jahren selbst, diesen Weg einzuschlagen. „Er wurde nicht dazu gedrängt, sondern hat einen riesigen Spaß an seinem Sport“, sagt Martin Hasenbein, der Coach des Golf Team Germany. Er bescheinigt Kaymer ein „großes Talent, professionelle Einstellung, mentale Stärke und unglaublichen Trainingsfleiß“. Dass er jedoch derartig schnell durchstarten würde, überraschte selbst den 41 Jahre alten Trainer. Denn: „Normalerweise rechnet man so an die fünf Jahre, bis zur Europa-Tour.“

Bei Martin Kaymer hat das nach der Traumrunde im Juni 2006 nur wenige Monate gedauert. Er durfte danach auf der Challenge-Tour, in der zweiten Golfliga, spielen, gewann dort drei Turniere und war auf einmal zum Jahresende für die Europatour der besten Golfer qualifiziert. „Dort bekam er erst einmal eins auf die Mütze“, erzählt Hasenbein über den Einstieg in Asien und in Australien. Kaymers Leben als Golfer hatte sich plötzlich völlig geändert. Durch seine Erfolge hatte er zumindest genug Geld beisammen, so dass er den Start bewältigen konnte. „Da reist ein so junger Mann allein um die Welt und muss sich erst zurechtfinden. So verbringt er anfangs mehr Zeit im Turnier-Office als auf dem Trainingsplatz“, sagt Günter Kessler.

Mittlerweile hat sich Martin Kaymer außergewöhnlich gut eingelebt. Er steht in der europäischen Geldrangliste mit gewonnenen 153 874 Euro auf Platz 58. In der Weltrangliste ist er als 123. bester Deutscher. „Nur, mit einem ganz Großen hat Martin noch nie in einem Flight gespielt“, erzählt Kessler. Das kann sich ab heute schon ändern. Bei den BMW Championships in Wentworth sind einige von ihnen dabei: Ernié Els, Vijay Singh, José Maria Olazabal. Für Martin Kaymer sind das immer noch Stars, vor denen er sich verneigt.

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