Sport : Vom Torhüter zum Funktionär

Andreas Thiel will für die Handball-Liga arbeiten

Erik Eggers[Köln]

Vor ein paar Wochen suchte Andreas Thiel in der riesigen Kölnarena den Weg zur Pressetribüne. Ein Fernsehsender hatte ihn gebeten, ein Bundesliga-Spiel des VfL Gummersbach als Experte zu kommentieren. Und als er so die Ränge hinaufschritt, rief plötzlich jemand entrückt „der Hexer!“ – und sofort schossen viele Fans auf den 47-Jährigen zu. „Der Ex-Hexer“, grummelte Thiel und gab, bevor er schließlich Platz nahm, bereitwillig die geforderten Autogramme. Ein Beleg dafür, wie populär der ehemalige Keeper der deutschen Handballnationalmannschaft immer noch ist. Die sensationellen Reflexe des Mannes, der sieben- mal zum Handballer des Jahres gewählt wurde, haben sich tief in die Erinnerung der Fans gegraben.

Seit seinem endgültigen Rücktritt anno 2001 hatte sich Thiel auf seine Karriere als Anwalt konzentriert, den Kontakt zur Handballszene indes nie abreißen lassen: Er vertritt seit Jahren die juristischen Interessen einiger Spieler und Klubs. Seit langer Zeit trainiert er nebenher die Torfrauen des Spitzenklubs Bayer Leverkusen. Und für seinen Freund Heiner Brand kümmert er sich vor den großen Turnieren auch um die Keeper der Männer-Nationalmannschaft; so zuletzt im Januar, als er Torwart Henning Fritz, der beim THW Kiel nur Reserve war, vor der Weltmeisterschaft im eigenen Land stark redete, indem er sagte: „Wir werden bei der WM kein Torhüterproblem haben.“

Nun steht Thiel vor einer Karriere als hauptamtlicher Handball-Funktionär. Nach Lage der Dinge wird er vom 1. Januar 2008 an Angestellter der Deutschen Handball-Liga (HBL), der Vereinigung der 54 deutschen Profiklubs. „Wir verhandeln noch“, bestätigt Thiel, „noch ist nichts unterschrieben“. Nach Informationen des Tagesspiegels sind die Gespräche schon sehr weit fortgeschritten. Der Arbeitsvertrag sei nur noch reine Formalität, wie Eingeweihte berichten. Entsprechend zuversichtlich zeigt sich auch HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann: „Er würde sehr gut zu uns passen.“ Eines der hauptsächlichen Aufgabengebiete Thiels soll naturgemäß die Abwicklung aller juristischen Angelegenheiten sein; zudem soll Thiel die HBL-Satzungen weiter ausdifferenzieren. Andererseits soll er mittelfristig den kompetenten, aber wegen seines Auftretens recht umstrittenen Liga-Spielleiter Uwe Stemberg beerben. „Es wäre sehr vorteilhaft, wenn ein Jurist auch diese Aufgabe erledigte“, sagt Bohmann. Der 63-jährige Stemberg soll, bevor er in Pension geht, Thiel in die komplizierten Fragen des nationalen und internationalen Terminkalenders einarbeiten.

Schon vor drei Jahren war Thiel als HBL-Vorsitzender gehandelt worden, hatte dann aber, als der Magdeburger Bernd-Uwe Hildebrandt zurückgetreten war, seine Bereitschaft zurückgezogen. Für den aktuellen Posten hat er auch den Segen des mächtigsten Managers der Liga, Uwe Schwenker. Der Geschäftsführer des Champions League-Siegers THW Kiel bemängelt indes die mangelnde Kommunikation. „Nicht, dass ich etwas gegen Thiel hätte, im Gegenteil“, kritisiert Schwenker, „aber bei gewissen Personalentscheidungen sollte man auch mal Rücksprache mit den Vereinen halten, denn die sind Gesellschafter der Liga“.

Frank Bohmann fühlt sich nicht angesprochen. „Der Vorstand der HBL war jederzeit informiert“, sagt der Geschäftsführer der Deutschen Handball-Liga.

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