Sport : Vom Willen des Meisters

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Benedikt Voigt über die Magie der letzten Sekunden bei Alba Berlin

Im Pokalfinale fing es an. 4,6 Sekunden besaß Mithat Demirel, um über den Platz zu spurten und die entscheidenden Punkte für Alba Berlin zu erzielen. Er tat es. Es ging weiter im Playoff-Halbfinale gegen Braunschweig. Alba Berlin lag in der Serie mit 1:2 und im vierten Spiel in der zweiten Halbzeit mit 15 Punkten zurück. Der Braunschweiger Hallensprecher hatte in der Halbzeitpause bereits den Kartenverkauf für die Finalspiele angekündigt. „Das darf man nicht machen“, sagte Marko Pesic. Eine Zeitung hatte vor diesem Spiel schon einen Kommentar verfasst, der erklärte, warum Albas Meisterserie in dieser Saison zu Ende ging. Es kam anders, Alba kam noch einmal zurück. Einmal? Die Berliner wendeten nicht nur dieses Spiel in Braunschweig im Schlussviertel, sie siegten auch in den Schlussminuten der fünften Partie. Ebenso im Finale: Spiel zwei und drei gegen Bamberg entschieden erst die letzten Sekunden. Immer siegte Alba. Ist das Magie?

Es ist Planung. Alba Berlin verfügte in dieser Spielzeit trotz vieler Verletzungen über einen großen Kader und konnte im Schlussviertel Spieler zum Einsatz bringen, die noch nicht so erschöpft waren wie der Gegner. Im dritten Finalspiel, als Bamberg nur mit sechs Spielern spielte, war das besonders offensichtlich. Während Bamberg mit fortdauernder Spielzeit müder wurde, konnte Alba Berlin im letzten Viertel immer zulegen.

Es ist aber auch Erfahrung. Die Berliner Spieler haben in Nationalmannschaft und Europaliga viele wichtige Spiele erlebt, die erst in letzter Minute entschieden wurden. Sie kennen diese Situation und bleiben ruhiger.

Vor allem ist es Willenskraft. „Wir haben nie an eine Niederlage geglaubt“, hatte der Nationalspieler Marko Pesic nach dem vierten Play-off-Spiel in Braunschweig gesagt. Eine Art der Selbstsuggestion: Die Spieler sind überzeugt davon, dass sie nicht verlieren – und verlieren nicht. Mancher Basketball-Fan in Deutschland empfindet diese Einstellung als arrogant, Bambergs Trainer Dirk Bauermann nennt das Charakterstärke. Und Bundestrainer Henrik Dettmann sagt: „Das ist die Tradition von Alba.“ Sogar Spieler wie Vladimir Petrovic, die erst kurze Zeit bei Alba sind, sind schnell von der Tradition des Siegens infiziert. „Diese Spieler wissen, was es bedeutet, für Alba zu spielen“, sagt Dettmann. Als Petrovic zu den Berlinern stieß, sagte er: „Ich bin hier, um Meister zu werden.“ Er wurde es.

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