Sport : Vom Traum zum Trauma

Der FC Bayern München verliert das Endspiel gegen den FC Chelsea im Elfmeterschießen und ist wieder nur Zweiter.

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Die Vorentscheidung. Bastian Schweinsteiger schießt seinen Elfmeter an den Pfosten. Im Halbfinale gegen Real Madrid hatte er noch getroffen. Foto: dapd Foto: dapd
Die Vorentscheidung. Bastian Schweinsteiger schießt seinen Elfmeter an den Pfosten. Im Halbfinale gegen Real Madrid hatte er noch...Foto: dapd

Es war ein Traum, ein Traum von dahoam. Es wurde ein Trauma. Der FC Bayern München hat das Finale der Champions League gegen den FC Chelsea im eigenen Stadion nach Elfmeterschießen verloren. Nahezu das gesamte Spiel hatten die Bayern dominiert, hatten sich Chancen erarbeitet, aber keine Tore gemacht. Letztlich reichten den Engländern zwei Minuten Fußball, um den Führungstreffer von Müller auszugleichen und die Verlängerung zu erzwingen. Die brachte keine Tore.

Dann hatte Philipp Lahm die schwere Aufgabe übernommen, den ersten Elfmeter zu schießen. Er verwandelte. Dann war es an Manuel Neuer, Juan Mata abzuwehren. Auch das gelang. Und als danach Mario Gomez endlich auch mal traf, schien eine kleine Vorentscheidung gefallen zu sein. Aber David Luiz verkürzte. Und Neuer schritt zur nächsten Tat. Sicher verwandelte er gegen Petr Cech, hatte dann aber gegen Frank Lampard keine Chance. Das Drama nahm seinen Lauf. Ivica Olic scheiterte und Ashley Cole traf. Dann ging Bastian Schweinsteiger zum Punkt, der nervenstarke. Er lief an, stoppte seinen Lauf, tippte den Ball an und scheiterte am Pfosten. Dann kam Didier Drogba. Der traf ins Tor, ins Mark, ins Herz.

Kurz war Hoffnung aufgekeimt, die Bayern könnten das Spiel vor dem Elfmeterschießen für sich entscheiden. Da war es Didier Drogba, der, kaum, dass drei Minuten der Verlängerung gespielt waren Franck Ribéry im Strafraum zu Fall brachte. Der humpelte danach vom Feld. Und Arjen Robben, sein Kontrahent vom Faustgefecht vor einigen Wochen schritt zur Rache. Er verschoss diesen Elfmeter, zu schwach zu unplatziert, kein Problem für Cech. Vorbei die Chance, in der Verlängerung schnell in Führung zu gehen. Ribéry musste verletzt draußen bleiben, für ihn kam Olic. Und vergab in der 107. Minute die große Chance auf die Führung. Geschmeidiger wurde das Spiel bis zum Ende der Verlängerung nicht mehr, es blieb mühsam bis zum Abpfiff.

Dass es zäh werden würde, war schon vorher zu erwarten gewesen. Der FC Chelsea, der eine eher italienische denn englische Spielweise bevorzugt – hinten helfen alle, vorne allenfalls Didier Drogba, ansonsten der liebe Gott – tat denn auch wie ihm geheißen und orientierte sich von Anfang an stark defensiv. Robben hatte schon zwei Tage vor dem großen Fest prophezeit, dass sie gegen diese Art und Weise des kick and nicht rush Lösungen finden müssten. Sie suchten sie. Wahrlich, das taten die Münchner, nur fanden sie zunächst keine. Allen voran nicht Mario Gomez, der gleich drei, in Worten drei! Großchancen mehr oder wenig kläglich versemmelte, in der elften Minute, in der 40. und dann gleich darauf noch einmal in der 43. Minute. Dem Gesetz der vergebenen Chancen nach sah es zu diesem Zeitpunkt nicht gut aus für die Bayern. Sie hatten die erste Hälfte dominiert, hatten mit Bastian Schweinsteigers Schuss in der 5. Minute begonnen zu demonstrieren, dass sie hier dahoam sind und diese Demonstration mit weiteren Möglichkeiten fortgesetzt. Unter anderem in der 21. Minute, als Robben erst nur Cech traf, dann den Pfosten. Und die schönste Szene ging mal wieder von Ribéry aus. Der hatte in der 36. Minute Diego Contento, seinen Mitspieler auf dem linken Flügel, eingesetzt, und dieser hatte auf Thomas Müller geflankt. Der nahm den Ball volley, traf aber das Tor nicht. 0:0 zur Halbzeit, zäh eben, diese Angelegenheit.

Und beide machten genauso weiter, wie sie begonnen hatten. Chelsea verhalten mit den unausgesprochenen Drohung Drogba, und der FC Bayern feldüberlegen, dominierend, mit Chancen, aber eben keinen zwingenden. Auch nicht in der 53. Minute als Müller wohl ein umjubeltes Tor erzielte, aber aus einer Abseitsposition heraus. Zum Glück zeigte sich zu diesem Zeitpunkt die eigentliche Sorge, dass die umgebaute Abwehr zu brüchig sein werde, als unbegründet. Sie wurde erst gar nicht gefordert, der FC Chelsea blieb italienisch. Allein, was nutzt es, wenn den Bayern vorne der liebe Gott partout nicht helfen wollte. Auch nicht Robben in der 59. Minute, der fein von Gomez frei gespielt worden war, auch fein schoss, aber nur irgendein dazwischen fliegendes Abwehrbein traf. Man muss allerdings auch festhalten, ob mit oder ohne Gott, dass sich die Bayern in ihren Angriffsbemühungen zunehmend verzettelten. Noch einen Schlenker, und noch einen Schlenker, bis die nächste mögliche Chance gar nicht erst zu einer wurde. Und weiter drohte Drogba. Wie in der 72. Minute, in der Contento in höchster Not vor dem Mann, den sie einst Naturgewalt nannten, retten konnte. Zwei Minuten später war es Manuel Neuer, der erst eine Flanke schwach abwehrte, dann aber bei Drogbas Schuss auf der Hut war.

Als alles auf eine Verlängerung hinauslief, flankte Robben. Und Müller köpfte. Und er köpfte ins Glück. Das war in der 83. Minute und München stellte sich auf eine Ausnahmenacht ein. Die war zunächst in der 88. Minute vorbei. Da drohte Drogba nicht mehr, da traf er zum Ausgleich und zur Verlängerung.

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