Sport : Von Aldag bis Zabel

Diesmal starten 15 deutsche Profis bei der Tour

Mathias Klappenbach

Berlin - Patrick Sinkewitz war richtig sauer. Das ganze Frühjahr über hatte er sich auf seinen Start bei der Tour de France vorbereitet und auf einige Rennen verzichtet. Vor vier Wochen hat der 23-jährige Radprofi dann die Deutschland-Tour gewonnen, sein endgültiger Durchbruch und mehr als eine Empfehlung für einen Tourstart. Doch sein Team Quick-Step nominierte ihn nicht, obwohl er seinem Kapitän Richard Virenque bei dem Versuch, zum siebten Mal das Trikot des besten Bergfahrers der Tour zu gewinnen, eine große Hilfe gewesen wäre. Die Begründung: Das junge Talent Sinkewitz solle noch nicht den Strapazen der Tour ausgesetzt werden.

Das wird beim Team Gerolsteiner anders gesehen. Der 24-jährige Fabian Wegmann wurde erstmals für die Tour nominiert, obwohl er im Mai bereits den drei Wochen langen Giro d’Italia gefahren ist. Dort hatte Wegmann sensationell das Trikot des besten Bergfahrers gewonnen. Er rückte für den verletzten Schweizer Markus Zberg in die Mannschaft und soll laut Teamchef Hans-Michael Holzcer auf den Etappen „probieren, was geht“ und möglichst lange durchhalten.

Die beiden Jungprofis sind nur zwei Beispiele für den guten deutschen Nachwuchs, der in der irgendwann anbrechenden Nach-Ullrich-Ära in den Vordergrund fahren will. Das in dieser Saison bisher so erfolgreiche Team Gerolsteiner geht neben Wegmann mit den deutschen Tour-Debütanten Ronny Scholz und Sebastian Lang an den Start. Auch ohne Sinkewitz und den vor ein paar Tagen im Training gestürzten Jörg Jaksche (Team CSC) fahren in diesem Jahr 15 deutsche Profis die Frankreich-Rundfahrt. Unter ihnen sind Veteranen wie der Zeitfahrspezialist Uwe Peschel (Gerolsteiner) oder der Ullrich-Helfer Rolf Aldag, die beide schon 35 Jahre alt sind. Im Gegensatz zu dem hereinschnuppernden Wegmann haben die meisten deutschen Fahrer wichtige Aufgaben in ihren Teams.

Jens Voigt soll bei CSC mit seinen Ausreißversuchen und langen Alleinfahrten wieder für möglichst viel Aufsehen und vielleicht für einen Etappensieg sorgen. Jörg Ludewig (Saeco) und Grischa Niermann (Rabobank), die beide im vergangenen Jahr auf die Plätze 28 und 38 fuhren, sind wichtige Helfer für ihre Kapitäne. Das gilt auch für die T-Mobile-Fahrer Andreas Klöden und den 25-jährigen Matthias Kessler, die Jan Ullrich vor allem in den Bergen unterstützen sollen. Kessler werden gute Chancen eingeräumt, das Weiße Trikot des besten Jungprofis zu gewinnen, auf das auch die Gerolsteiner-Fahrer Lang und Wegmann hoffen.

Bei den Massensprints und im Kampf um das Grüne Trikot wird Erik Zabel – wie schon im vergangenen Jahr – auf sich allein gestellt sein. Die anderen Fahrer des T-Mobile-Teams sollen für Jan Ullrich arbeiten. Nicht nur deshalb ist wohl eher Danilo Hondo (Gerolsteiner) zuzutrauen, den Starsprinter Alessandro Petacchi zu überraschen und eine Etappe zu gewinnen. Der ehemalige Sprint-Anfahrer von Zabel hat in dieser Saison schon siebenmal gewonnen und bei der Tour viel vor. „Bei der Vergabe des Grünen Trikots will ich ein Wörtchen mitreden“, sagt Hondo.

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