Sport : Von Bayern und Baggern

München (dpa).

München (dpa). Die Bayern kriegen, was sie wollen. Auch ein neues Stadion. Auf dem Platz mussten die Münchner zuletzt nicht zittern, die Gegner waren einfach zu schlecht. Aber wie würde sich der Bürger, das unbekannte Wesen, beim Entscheid über den Stadionneubau im nördlichen Stadtteil Fröttmaning aussprechen? Jahrelang war gestritten worden, Skepsis ob eines positiven Ausgangs schien angebracht. Und dann kam alles ganz anders. Die Zustimmung war nämlich riesig: 65,8 Prozent der Wähler stimmten für den Neubau, dagegen votierten 34,2 Prozent.

Als die große Koalition des Fußballs das Finale um den Münchner "Kaiser-Palast" überraschend klar gewonnen hatte, stand allen voran Franz Beckenbauer als Sieger da. "Das ist ein sensationeller Sieg", kommentierte der Wortführer der Stadion-Befürworter, der als Präsident des FC Bayern München und des Organisationskomitees (OK) für die Weltmeisterschaft 2006 zwei Erfolge gleichzeitig verbuchte. Beckenbauer sagte noch vor dem offiziellen Endergebnis bei einer Pressekonferenz im Kreisverwaltungsreferat: "Wenn alles so realisiert wird, wie es geplant ist, kann ich mir als OK-Präsident vorstellen, dass das WM-Eröffnungsspiel 2006 in München stattfindet."

Mit ihrem "Ja" machten die Münchner den Weg frei für eine im Gesamtvolumen mindestens 760 Millionen Mark teure Arena. In dem Stadion werden der FC Bayern und TSV 1860 ab 2005 ihre Heimspiele austragen. Am 9. Juni 2006 könnte in der noch namenlosen Arena das WM-Eröffnungsspiel ausgetragen werden, das Finale wird in Berlin stattfinden. Auch das WM-Pressezentrum, in dem 20 000 Journalisten arbeiten werden, könnte nach München kommen. Berlin hat sich ebenfalls beworben.

Nach einem intensiven Wahlkampf hatte die große Koalition aus Sport und Politik, der auch der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber und Oberbürgermeister Christian Ude angehört hatten, mit gemischten Gefühlen dem Votum im abgeriegelten Raum 116 des Kreisverwaltungsreferats entgegen gefiebert. Als die ersten positiven Ergebnisse eintrafen, schlug die Anspannung schnell in spürbare Erleichterung um. "Uns fällt ein großer Stein vom Herzen", sagte Bayern-Manager Uli Hoeneß, der nach Auszählung aller Stimmen von einem "Erdrutschsieg" sprach. Die Wahlbeteiligung betrug 37,5 Prozent - ein Rekordergebnis für einen Bürgerentscheid.

In der Euphorie nach dem Sieg versprach Hoeneß den Fans des FC Bayern und TSV 1860, "das schönste Stadion der Welt" zu bauen. Noch am Abend hätte er am liebsten "die ersten Bagger anrollen lassen". 1860-Präsident Karl-Heinz Wildmoser sprach ebenfalls nur noch in Superlativen und damit von "einem Stadion höchster Qualität, das Nonplusultra".

Gegner des Stadions hatten angesichts der angespannten Finanzlage vor Investitionen aus Steuergeldern gewarnt. Für rund 400 Millionen Mark wollen die Vereine eine komplett überdachte Arena mit 66 000 Sitzplätzen errichten. Anders als das Olympiastadion, dessen Umbau am Veto des Architekten Günter Behnisch gescheitert war, soll es eine reine Fußball-Arena ohne Laufbahn sein, dafür mit VIP-Logen und höchstem Komfort. Weitere 360 Millionen Mark muss die öffentliche Hand für Infrastrukturmaßnahmen wie U-Bahn und Straßenanbindung aufbringen; der größte Anteil, rund 200 Millionen Mark, entfällt dabei auf die Stadt. Bis zum 15. Dezember 2001 muss die Stadt die detaillierten Stadion-Unterlagen einreichen, die endgültige Nominierung der voraussichtlich zwölf WM-Stadien ist für das Frühjahr 2002 vorgesehen.

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