Sport : Von Beruf: Sohn

Die Wildmosers gab es stets im Doppelpack: Nun will der Junior etwas alleine getan haben

Thomas Becker

München. Sechs Stunden hat es gedauert, bis er damit rausrückte: Ja, ich war’s, aber lasst den Papa frei; der hat von nichts gewusst. Das Geständnis von Karl-Heinz Wildmoser junior hat Bewegung in die Schmiergeld-Affäre um die Allianz-Arena gebracht. Der Sohn des Präsidenten vom TSV 1860 München gab die illegalen Transaktionen zu, ergänzte aber auch, dass der Vater davon nichts gewusst habe. Eine Einlassung, die Staatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld nur mäßig glaubhaft erscheint. „Vater und Sohn waren geschäftlich gemeinsam tätig. Es würde mich sehr wundern, wenn der Vater nicht weiß, was der Sohn tut.“ Der Anwalt von Wildmoser senior forderte dennoch die Entlassung aus der Untersuchungshaft - abgelehnt. Der in der Vollzugsanstalt Stadelheim einsitzende Löwen-Chef ließ bereits via Anwalt ausrichten: „Heinz hat sich in dumme Dinge verstricken lassen. Das macht mir große Sorgen.“

Die macht er sich zu Recht: Die Last der Beweise gegen den Sohn scheint so stark zu sein, dass ihm auch das breite Kreuz des Vaters nicht helfen wird. Auf acht Quadratmetern sitzt Wildmoser junior nun in der Justizvollzugsanstalt Augsburg, fast 70 Kilometer entfernt vom Vater – die Ermittler wollen Absprachen ausschließen. So weit voneinander getrennt hat man die beiden selten erlebt. In den letzten Jahren, als der Senior (64) den heute 40-jährigen Sohn allmählich Richtung Löwen-Präsidium bugsierte, gab es wenige Veranstaltungen, bei denen die Wildmosers nicht im Doppelpack erschienen, sei es bei der feuchtfröhlichen Präsentation eines neuen Weißbiers, beim Oktoberfestbesuch oder beim Pflichttermin im Stadion.

Gerade dort ließ sich der Status von Wildmoser junior gut beobachten: Wenn die Vertreter der Münchner Presse auf Stimmenjagd gehen, lassen sie den „Heinzi“ links liegen, obwohl dieser der Fußballabteilung vorstand. Nur selten finden sich Sätze von ihm in den Zitatspalten der Zeitungen. „Mein Vater ist der emotionale Typ, ich bin eher fürs Sachliche zuständig. Ich kann im Schatten ganz gut leben“, hat er ihr Verhältnis einmal beschrieben. „Er ist mein bester Freund, ihm kann ich alles anvertrauen.“ Im Stammhaus der Wildmosers in Hinterbrühl stehen ihre beiden Schreibtische in einem Büro. Die These, dass der Sohn dem Papa nichts vom Millionen-Deal erzählte, weil er endlich mal etwas alleine auf die Beine stellen wollte, findet deshalb nur wenige Anhänger.

Im Wirtshaus ist er aufgewachsen, wie er selbst sagt, lernte Hotelkaufmann im „Vier Jahreszeiten“, so schnell wie kein anderer in Bayern, weil er so gut war. Mit 19 war er Geschäftsführer in einem der väterlichen Betriebe. „Neun Jahre keinen Urlaub, 14 Stunden Arbeit am Tag“, erzählte er einmal der „Süddeutschen Zeitung“. Einer, der ihn noch als Mittelstürmer in der Jugend des SC Armin München und aus der Schulzeit im Westend kennt, weiß dagegen, dass „er immer schon gern Sohn war“.

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