Sport : Von Blamage zu Blamage

Nach einer neuerlichen Blamage muss die Fußball-Weltmacht Brasilien bis zum letzten Spieltag der Südamerika-Gruppe um die Fahrkarte zur Weltmeisterschaft 2002 bangen. Brasilien verlor in La Paz 1:3 (1:1) gegen Bolivien und war damit noch gut bedient. Besser machte es der Sport-Zwerg Ekuador, der nach dem 1:1 (0:1) in Quito gegen Uruguay zum ersten Mal den Sprung in eine WM-Endrunde schaffte und zugleich Paraguay das Ticket nach Japan und Südkorea sicherte.

"Das ist doch Fußball verkehrt! Wann geht unsere Blamagen-Serie zu Ende? Ich habe wegen der schwachen Kickerei schon Kopfschmerzen", beklagte sich Brasiliens TV-Starkommentator Luciano do Valle lautstark öffentlich. Die Brasilianer hatten gerade die sechste Schlappe in 17 Spielen erlitten. "Wir hätten ein halbes Dutzend kassieren können", klagten brasilianische Journalisten auf der Pressekonferenz nach dem Spiel in La Paz. Trainer Luiz Scolari musste ihnen mit zerknirschtem Blick zustimmen: "Der Gegner war haushoch überlegen." So überlegen, dass beim viermaligen Weltmeister niemand die dünne Luft in dem auf 3600 Meter gelegenen Spielort als Ausrede nutzen wollte. "Wir waren unkonzentriert und wurden vorgeführt, das darf nicht sein", meinte der ehemalige Leverkusener Bundesliga-Profi Emerson (AS Rom).

Vor 60 000 Zuschauern im Stadion Hernando Siles von La Paz war Brasilien den Gastgebern über die 90 Minuten klar unterlegen. Die 42:10-Torschussbilanz zu Gunsten Boliviens sagt alles. Bei einem Konter brachte Edilson (26. Minute) die Gäste zwar in Führung. Doch nach einem groben Patzer von Stopper Juan, der am Strafraum ausrutschte und den Ball vertändelte, glich Lider Paz (44.) aus. Dass Brasiliens Nationalelf-Koordinator Antonio Lopes am Spielfeldrand mit geschlossenen Augen betete, half nach der Pause nichts: Julio Cesar Baldivieso traf erst mit einem tollen 40-Meter-Freistoß (70.) und dann per Foulelfmeter (86.).

Superstar Rivaldo war bei Brasilien ein Totalausfall, ebenso wie Stürmer Denilson. Die Bundesliga-Profis Lucio und Ze Roberto (Bayer 04 Leverkusen) mühten sich zwar redlich, machten aber auch zu viele Fehler. Nicht eingesetzt wurde Marcelinho (Hertha BSC). Brasilien belegt nun vor dem letzten Spieltag am kommenden Mittwoch hinter den qualifizierten Teams aus Argentinien, Ekuador und Paraguay zwar noch den vierten Tabellenplatz, der die letzte direkte WM-Fahrkarte bedeutet. Doch Uruguay liegt nur einen Punkt dahinter und selbst Kolumbien, das Chile 3:1 bezwang, hat mit drei Punkten Rückstand noch Chancen auf ein Weiterkommen. Der Fünfte spielt in zwei Qualifikationsspielen mit Australien einen weiteren WM-Platz aus.

Auf den Straßen in Ekuador warfen derweil freudetrunkene Indios die typischen Zipfelmützen in die Luft, in den wohlhabenderen Vierteln gab es Feuerwerk. Das kleine Elf-Millionen-Land ist erstmals bei der WM dabei. Dabei hatte Uruguays Nicolas Oliveira im ausverkauften Atahualpa-Stadion von Quito mit seinem Elfmeter-Tor für einen Dämpfer gesorgt. In der zweiten Hälfte beschränkte sich Uruguay auf die Defensive. Nach dem Ausgleich der Gastgeber durch Kaviedes stürmten nicht nur die Ersatzspieler, sondern auch Dutzende von Balljungen und Zuschauern aufs Spielfeld. Die Konfusion dauerte nur wenige Sekunden. Wenig später löste der Abpfiff im ganzen Land lautstarken Jubel aus. Allerdings gab es bei den Feiern auch vier Tote zu beklagen.

In Bogota trafen für Kolumbien Freddy Grisales, Juan Angel und Jersson Gonzalez beim 3:1 gegen Chile. Den zwischenzeitlichen Ausgleich für Chile hatte Jaime Riveros erzielt. Für Aufsehen sorgte der Schiedsrichter, der gleich vier chilenische Feldspieler vom Platz stellte. Mit Spannung blickt die Region nun auf den nächsten Mittwoch, wenn Brasilien Venezuela empfängt, Uruguay in Montevideo gegen Argentinien spielt und Kolumbien nach Paraguay reist.

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