Sport : Von den Träumen ist nichts mehr geblieben

KLAUS ROCCA

Altin Rraklli in Sorge um sein Heimatland und seine eigene sportliche ZukunftVON KLAUS ROCCA BERLIN.Nur im Training und beim Spiel selbst, so Altin Rraklli, sei sein Kopf frei, gingen ihm nicht dauernd Gedanken über die Anarchie in seiner Heimat durch den Kopf.Wobei die Ablenkung durch die Spiele so gewaltig nicht ist.Seit geraumer Zeit ist Rraklli Reservist, zuletzt im Duell mit den Kölnern saß er gar nur auf der Tribüne.Bittere Zeiten für ihn, der seit seinem Kommen im Januar vorigen Jahres Fußball-Berlin erobern wollte.Geplatzt sind sie, die Träume, wie eine Seifenblase.Und nun noch die Ungewißheit um das Schicksal Albaniens. Jeden Tag verfolgt Rraklli die Nachrichten mit Spannung und Sorge.Sorge auch um seine Eltern, die mitten im Chaos leben."Ich telefoniere fast jeden Abend mit ihnen.Es hört sich nicht gut an, was sie berichten", erzählt Rraklli.Sorgen, minderer Art, macht er sich auch um seine Häuser, das in der Hauptstadt und das am Meer.Eigentlich wollte er demnächst noch ein Hotel bauen.Daraus wird nun wohl nichts. Daß er ein wenig dünnhäutig geworden ist, entgeht keinem.Doch man hat Verständnis dafür.Schließlich drückt den 26jährigen auch die Sorge um seine sportliche Zukunft.Damals, als er zu Hertha BSC kam, sah alles so rosig aus.Altin könne, so Trainer Jürgen Röber, mit seiner Schnelligkeit und seinen Torjägerqualitäten "in jedem Erstligaklub" spielen.Was er zuvor auch tat, beim SC Freiburg.Für den schoß er 23 Tore. Doch dem Vorschußlorbeer konnte Altin Rraklli nie gerecht werden.In der Restzeit der letzten Saison brachte der Mann mit dem schwarzen Wuschelkopf gerade drei Tore zustande.Da habe es "aus dem Mittelfeld überhaupt keine Unterstützung gegeben", beklagt er.In dieser Saison ist das ganz anders, mangelnde Pässe und Vorlagen können nicht als Entschuldigung gelten.Doch die Bilanz ist noch ernüchternder: zwei Tore, für einen Stürmer eine gar kümmerliche Bilanz.Rraklli will es nicht als Entschuldigung werten, eher als Erklärung, daß eine Knöchelverletzung die Saisonvorbereitung erheblich störte und später die Leiste piekste.Nur in wenigen Spielen war Rraklli von Anfang an dabei."Wie soll man da eine konstant gute Leistung bieten", fragt er sich und seine Kritiker.Und, mit leicht vorwurfsvollem Unterton, auch den Trainer.Um dann schnell hinzuzufügen: "Bislang kann ich aber alles akzeptieren, was Jürgen Röber gemacht hat." Wohl nicht, daß er ihn zuletzt sogar auf die Tribüne verdammte: "Da haben sich alle gewundert." Marcel Rath, schon so gut wie ausgemustert, bekam den Vorzug, wird ihn wohl auch morgen in Leipzig erhalten. Am 30.Juni läuft Altin Rrakllis Vertrag aus.Man muß kein Prophet sein, um vorauszusagen, daß er nicht verlängert wird.Wer nicht spielt, kann sich auch nicht empfehlen.Nun fiebert Rraklli dem 2.April entgegen.Da will er sein Image wieder aufpolieren, nicht nur für Hertha, sondern auch für mögliche neue Vereine.Beim WM-Qualifikationsspiel in Granada - gegen Deutschland."Da werde ich allen zeigen, was in mir steckt", sagt er.In Granada will er sich gewissermaßen den Frust von der Seele spielen. Vielleicht bedrückt ihn auch der Gedanke, Berlin könne am Saisonende im Aufstiegstaumel liegen - und er selbst hätte nur wenig dazu beigetragen.Ob nun (Verletzungs-) Pech oder mangelndes Können - wer vermag das schon zu beurteilen.Für Röber ist es Mentalitätssache.Er, so Röber, verschließe sich leider immer wieder.Nun, siehe oben, wohl noch mehr als zuvor.

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