• Von der EM zur WM: Palmen, Trommeln, Weine: Wie Südafrika in Wien für 2010 wirbt

Von der EM zur WM : Palmen, Trommeln, Weine: Wie Südafrika in Wien für 2010 wirbt

Keine leichte Aufgabe: Das südafrikanische Organisationskomitee will das Gastgeberland der nächsten Weltmeisterschaft von der besten Seite zeigen. Mit einer Werbeshow in Wien.

Sven Goldmann[Wien]
Jordaan
Bedenkenwegträger. Danny Jordaan führt das Organisationskomitee für die WM 2010.Foto: AFP

Sommer in Wien. Bis spät in die Nacht wärmt die Sonne in diesen Tagen die Straßen und Plätze, spanische Fußballfans feiern ihre Fiestas, und Afrika ist auch nicht weit. Für einen Abend hat sich der Innenhof der Kunsthalle am Karlsplatz in ein Stück exterritoriales Südafrika verwandelt. Mit Palmen, Trommeln und Weinen vom Kap. Ein Film läuft, gezeigt werden Baustellen, Bagger und glückliche Menschen, sie rufen: „World Cup 2010!“ und winken in die Kameras. Joseph Blatter kommt ins Bild. Der Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa sagt mit Nachdruck: „Nichts kann diese Weltmeisterschaft in Südafrika verhindern. Nichts!“, und dann hebt er den Arm und zeigt in den Himmel, „nichts außer Gott!“

Die erste Fußball-Weltmeisterschaft in Afrika ist Blatters Prestigeobjekt, und es hat schon mal mehr Sympathie in der Öffentlichkeit genossen als in diesen Tagen, da vorwiegend schlechte Nachrichten aus Südafrika kommen. Die Energieversorgung bricht öfter mal zusammen, in den Townships der Provinz Gauteng jagt und mordet der Mob ausländische Wanderarbeiter. Zwei Jahre sind es nur noch bis zur WM, und in Europa wächst das Unbehagen. Zeit also für eine Imagekampagne, am besten dort, wo Europas Fußball gerade sein Fest feiert.

Jabu Moleketi sitzt im Garten der Kunsthalle. Südafrikas stellvertretender Finanzminister ist ein höflicher Mann. „Wir wollen der Welt zeigen, wie wir leben, nicht wie wir sterben“, sagt Moleketi und erzählt mit leiser Stimme von den Investitionen seiner Regierung in das Projekt Fußball-Weltmeisterschaft 2010. Von den 60 000 Kameras in den neun WM- Städten und Tausenden von neuen Polizisten, die eingestellt werden. Alles geeignet, das subjektive Sicherheitsempfinden der WM-Touristen zu erhöhen. Objektiv gesehen, gebe es ohnehin kein Problem, sagt Danny Jordaan (Foto), der Chef des WM-Organisationskomitees, sozusagen der Franz Beckenbauer Südafrikas. Mit seinem grauen Vollbart ist Jordaan das Gesicht der WM-Kampagne, und zurzeit ist es sein wichtigster Job, ausländische Bedenken in Sachen Sicherheit zu zerstreuen. „Im vergangenen Jahr hatte Südafrika acht Millionen Gäste, eine Million allein im Dezember“, sagt Jordaan. „Da werden wir die 450 000 Fußballfans in den fünf WM-Wochen problemlos verkraften.“ In ein paar Wochen reist Manchester United zu einer Gastspieltournee durch Südafrika, die argentinische Nationalmannschaft war auch schon da, und am Sonntagabend nach dem EM-Finale wird Danny Jordaan wissen, wen er als Europameister zum Confed-Cup im kommenden Jahr einladen darf.

Auch Mark Fish ist nach Wien gekommen, und die Gäste im Garten der Kunsthalle feiern ihn wie früher mit lang gezogenen „Fiiiiiish“-Rufen. Er ist jetzt 34 Jahre alt und hat ein bisschen zugelegt, seinem Gesicht sieht man an, dass er das Leben nicht allein in sportgerechter Askese verbracht hat. Fußball ist in Südafrika der Sport der Schwarzen, aber der größte Star, den dieses Land hervorgebracht hat, ist ein weißer Hüne aus Kapstadt. Fish hat für Lazio Rom gespielt und in England für Bolton, Charlton und Ipswich. Er legt Wert darauf, dass „ich kein Kind der Apartheid bin“, er ist früher mit seinen schwarzen Freunden durch die Bars der Townships gezogen, aus denen jetzt die schlechten Nachrichten kommen.

Fish sagt, er habe nur ein Problem mit dieser Weltmeisterschaft, „sie kommt vier Jahre zu spät, 2006 hätte ich noch mitspielen können“. Dann erzählt er von 1996, wie er mit Südafrika in Kapstadt den Afrikapokal gewonnen hat, und von der „unvergleichlichen Atmosphäre“ damals. Jeder WM-Tourist werde 2010 sehr schnell spüren, dass er „mehr bekommt als nur Fußball, unser Land hat so viel zu bieten“.

Zum Abschied ruft Mark Fish „Ke Nako“, was so viel heißt wie „Es ist an der Zeit“, Südafrikas Motto dieser Weltmeisterschaft . Im Garten der Wiener Kunsthalle hat sie in der Nacht zum Mittwoch neue Freunde gewonnen.Sven Goldmann

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