Sport : Von der Straße abgekommen

Radprofi Bartko fährt nur noch auf der Bahn

Frank Hellmann

Bremen - Robert Bartko ist zufrieden. Sagt er jedenfalls am Rande des Sechstagerennens im neuen Bremer AWD-Dome. Immer dann, wenn Tausende bierseliger Besucher schunkeln und zur Musik die Feuerzeuge anknipsen, steht Radprofi Bartko staunend auf der Holzbahn. Der Entschluss, sich vom Straßenradsport zu verabschieden, um sich bei Bahn-Weltcups oder den wenigen verbliebenen Sechstagerennen dieser Welt zu verdingen, sei richtig gewesen. Das schieße ihm in solchen Situationen durch den Kopf, sagt Bartko. Und: „Ich wundere mich selbst, dass mir das gefällt.“

Bartko ist 29 Jahre alt und um die Einsicht reicher, dass „die Doppelhochzeit bei mir nicht funktioniert hat“. Straße und Bahn, das ging nicht. Nun macht er das, was er in DDR-Zeiten gelernt hat: auf Holz- oder Zementovalen schnell zu fahren. Finanziell ist der Entschluss nicht von Vorteil, sagt der Radprofi. Denn die auch für die Fahrer lukrative Veranstaltung in Bremen (130 000 Zuschauer, 15 Millionen Euro Umsatz) ist die große Ausnahme. Sechstagerennen wirken mancherorts wie Reminiszenz-Veranstaltungen an eine Zeit, in der Eddy Merckx, Didi Thurau oder auch Erik Zabel noch selbstverständlich auf Bahn und Straße gefahren sind. Heute funktioniert dieser Spagat kaum mehr. „Es gibt immer mehr Spezialisten“, sagt Bartko. Die Wahrheit ist aber wohl, dass der weltweite Trend auf die Straße geht. Wer auf der Bahn auch nur einigermaßen talentiert erscheint, versucht einen der lukrativen Verträge bei den Straßenteams zu erheischen.

So hat das auch Bartko versucht und geschafft. Der zweifache Olympiasieger von Sydney bekam vom Team Telekom einen Zweijahresvertrag. Bartkos Gegenleistung blieb mäßig. Nach Auslauf des Vertrags heuerte er beim niederländischen Rennstall Rabobank an, fuhr Paris – Roubaix und die Vuelta. Es hieß am Ende, er sei ein treuer Helfer. Doch die Vasallen auf der Straße sind austauschbar, für eine Vertragsverlängerung reichte es bei Bartko nicht mehr. Da habe er sich selbst gesagt: Rolle rückwärts, Fokus auf Altbewährtes. Krafttraining, Üben auf den Holzpisten. Bartko gewann im Dezember beim Bahn-Weltcup in Los Angeles, wo Ende März auch die Weltmeisterschaft stattfindet. Derzeit gibt sich Bartko die Sechstage-Tortur, fährt gefährliche Jagden in stickigen Hallen, sechsmal diese Saison. Bereut hat er seinen Entschluss nicht, denn sein Fernziel ist es, noch einmal bei Olympischen Spielen 2008 in Peking für Aufsehen zu sorgen, natürlich auf der Bahn in der Einer-Verfolgung und im Vierer. Mit Talenten wie Robert Bengsch (Frankfurt/Oder), Henning Bommel (Cottbus) und Leif Lampater (Stuttgart) ist er in den USA schon gefahren.

Man spürt es: Bei Bartko fährt wieder Lust statt Frust mit. „Wenn man keinen Spaß hat auf der Straße, nützt auch das Geld nichts. Ich mache wieder das, was ich kann. Und deshalb ist der Kopf dabei.“ Zusammen mit Partner Andreas Beikirch hat er auf der Sechstage-Bahn in Bremen beeindruckt, auf dem Oval in Stuttgart hat er sich ab morgen einiges vorgenommen, zusammen mit Guido Fulst will er danach bei den Sixdays in Berlin seinen Titel verteidigen. „Ich bin Berliner: Das Rennen ist für mich etwas ganz Besonderes.“

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