Sport : Von der Straße auf die Straße

Dem deutschen Formel-1-Fahrer Heinz-Harald Frentzen droht die Kündigung vom Team Sauber

Karin Sturm

Silverstone. Heinz-Harald Frentzen lachte. Der Rennfahrer aus Mönchengladbach strahlte Zuversicht aus. Er war sich sicher, noch einige Jahre in der Formel 1 zu bleiben – zumindest noch ein weiteres Jahr im Schweizer Sauber-Team. Das war vor drei Wochen beim Rennen auf dem Nürburgring. Jetzt ist alles anders. Frentzen droht die Kündigung – und vielleicht sogar die Arbeitslosigkeit.

Teamchef Peter Sauber verhandelt mit anderen. Da wäre etwa Giancarlo Fisichella; für den derzeitigen Jordan-Piloten schwärmt Sauber seit Jahren, hält ihn „für den Besten, den wir bekommen können“. Am Mittwoch war der Italiener bereits in Hinwil im Werk, inzwischen gibt der Teamchef sogar offiziell zu, mit ihm zu verhandeln. Auch der Brasilianer Felipe Massa, derzeit Testpilot bei Ferrari, ist bei Sauber im Gespräch – er soll nach einem Testjahr bei Sauber zum Barrichello-Nachfolger bei Ferrari aufgebaut werden. Dazu passt auch Saubers Überlegung, weiterhin mit Ferrari-Motoren zu fahren.

All das ist bitter für Frentzen, der es mit 36 Jahren nicht einfach haben dürfte, bei einem anderen Team unterzukommen. Auch wenn er sicher besser ist als manch jüngerer Kollege – Jugend gilt bei vielen Teamchefs als Tugend. Viele Beobachter der Formel 1 verstehen diese Entscheidung nicht: Erst im vergangenen Jahr hatte Sauber Frentzen geholt – vor allem wegen seines Talents als Test- und Entwicklungsfahrer. Dafür hatte er den schnellen, jungen Massa aus dem Team genommen, der gerade dabei war, Erfahrung zu sammeln. Da aber der neue Windkanal von Sauber erst in diesem Herbst fertig wird, litt die ganze Entwicklungsarbeit des Teams, Frentzen konnte seine Qualitäten nicht ausspielen. Nun wäre es so weit – aber Frentzen wird angeblich nicht mehr gebraucht.

Angesichts der Personalie offenbart sich, dass dem Sauber-Team offenbar ein technisches Konzept fehlt. „Sauber hat einen konzeptionellen Fehler gemacht, als man noch ein Auto mit großem Tank bauen wollte, der auch Ein-Stopp-Strategien ermöglicht“, glauben viele Formel-1-Experten. Auch der dreimalige Weltmeister Niki Lauda ist der Ansicht, „dass man wahrscheinlich besser gefahren wäre, wenn man sich grundsätzlich mehr am Ferrari F2002 orientiert hätte, von dem man auch den Motor hat“. Das gelte vor allem, weil beim heutigen Reglement kaum noch mit nur einem Stopp gefahren wird.

Die Autos von Sauber haben auch ein anderes Problem: Sie gelten derzeit als die mit der schlechtesten Aerodynamik in der Formel 1 – hier gibt es viel Nachholbedarf. Aber gerade jetzt, da Frentzen in diesem Bereich seine ganze Erfahrung und sein Können ausspielen könnte, holt man Fisichella, der eher als schneller, aggressiver Fahrer denn als Testpilot bekannt ist.

Seltsam ist auch, dass Sponsor Crédit Suisse noch im vergangenen Jahr starkes Interesse am deutschen Markt bekundet hatte. Nun fragen sich viele: Hat sich das geändert? Spricht man Frentzen auf diese Fragen an, winkt er ab. Er selbst will zu der ganzen Entwicklung am liebsten gar nichts sagen, nur, dass ihm „das Rennfahren an sich noch sehr viel Spaß macht“ und dass andere Kategorien wie etwa die Deutsche Tourenwagenmeisterschaft „halt nicht dasselbe“ sind.

Seinen Teamkollegen Nick Heidfeld trifft die neue Sauber-Politik weniger. Er hatte selbst schon über einen Wechsel nachgedacht, Manager Werner Heinz verhandelt bereits mit einigen Teams. „Wir kommen schon unter, ich mache mir keine großen Sorgen“, sagt Heinz. Toyota, BAR und Jaguar sollen an Heidfeld interessiert sein - Frentzen kann von solchen Angeboten nur träumen.

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