Sport : Von der Wuhlheide in den langen Frühling

Unions Stürmer Mosquera wechselt überraschend zum FC Changchun nach China.

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Berlin - Es ist noch gar nicht so lange her, da gab der Fußballspieler John Jairo Mosquera folgende Liebeserklärung ab: „In Berlin fühle ich mich wohl, hier will ich leben. Am liebsten würde ich meine Karriere beim 1. FC Union beenden.“

Daraus wird nun nichts. Am Donnerstag vermeldete der Klub, dass Mosquera mit sofortiger Wirkung zum FC Changchun Yatai in die chinesische Super League wechselt. Der Stürmer gehört heute beim FC Ingolstadt (18 Uhr) schon nicht mehr zum Kader des Berliner Zweitligisten.

Der Transfer kommt überraschend. Im vergangenen Frühjahr hatte Union den zuvor von Werder Bremen ausgeliehenen Mosquera endgültig bis Juni 2014 verpflichtet. Der Vertrag wurde bereits aufgelöst. „Die letzten Tage waren geprägt von sehr interessanten Gesprächen. Am Ende haben wir mit dem FC Changchun Yatai ein Ergebnis erzielt, mit dem beide Vereine und der Spieler sehr zufrieden sind“, sagt Nico Schäfer, der kaufmännisch-organisatorischer Leiter des 1. FC Union. Über die Ablösesumme wurde Schweigen vereinbart, sie dürfte aber im hohen sechsstelligen Eurobereich liegen. Viel Geld für Union, zumal man lediglich 150 000 Euro Ablöse für den Stürmer an Werder Bremen überweisen musste. Möglich wurde der Wechsel, weil die Transferperiode in China im Gegensatz zu Europa noch nicht beendet ist.

Nun also Changchun. Der Kontakt kam laut Mosquera über einen Freund zustande, der für den chinesischen Erstligisten spielt. Mosquera zeigte sich glücklich: „Der Wechsel nach China ist für mich eine große Herausforderung, der ich mich stellen möchte.“ Am 10. März beginnt die Saison in China, Mosquera wird dann wohl mehr Einsatzzeit erhalten, als zuletzt bei Union. Dort hatte er seinen Stammplatz an Simon Terodde verloren, 2012 wurde er zweimal ein- und einmal ausgewechselt. Insgesamt brachte es Mosquera in seiner Zeit bei Union auf 21 Tore in 81 Pflichtspielen.

Keine schlechte Quote, aber auch keine gute. Es war die Angewohnheit, selbst aus besten Möglichkeiten kein Tor zu machen, die Mosquera den Ruf als „Chancentod“ einbrachte. Einfache Dinge waren nicht die seinen. Erschien eine Situation auf dem Feld aussichtslos, lief Mosquera zur Hochform auf. Im vergangenen Februar, beim Derby gegen Hertha BSC, knallte er den Ball volley aus 20 Metern zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich ins Tor. „Eines meiner schönsten Tore“, sagte er. Unions Fans liebten ihn dafür. Mosquera sagte mal, sie geben ihm ein Gefühl von Heimat, welches er auf seinen vorherigen Stationen im Profifußball vermisst hatte.

Und das waren einige. Mit 13 Jahren verließ er seine kolumbianische Heimat zum ersten Mal, ein Berater hatte ihn nach Moldawien vermittelt. Er blieb zwei Wochen. Später wanderte Mosquera von Verein zu Verein, nur bei Union hielt es ihn länger. Uwe Neuhaus galt als sein größter Fürsprecher, aber zuletzt schien auch Unions Trainer nicht mehr an den einstigen Lieblingsschüler zu glauben.

Bei aller Wirtschaftlichkeit verwundert die Entscheidung, Mosquera gehen zu lassen, trotzdem. Weil im Winter mit Halil Savran bereits ein Angreifer den Klub verlassen hatte, verfügt Union in Person von Silvio, Simon Terodde und Nachwuchsmann Steven Skrzybski nur noch über drei nominelle Stürmer. Umso wichtiger, dass der torgefährliche Kapitän Torsten Mattuschka heute gegen Ingolstadt nach überstandener Knieverletzung ins Team zurückkehrt.

Während seine ehemaligen Teamkollegen gegen den bayrischen Abstiegskandidaten um Punkte kämpfen, wird Mosquera packen. Am Sonntag geht sein Flug nach China. Das einzige, mit dem er sich in Berlin nie anfreunden konnte, war das Wetter. In dieser Hinsicht ist Changchun keine Verbesserung, im Winter kann es in der nordchinesischen Stadt bis zu minus 30 Grad kalt werden. Da hilft auch nicht, dass Changchun ins deutsche übersetzt „langer Frühling“ heißt.

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