Sport : Von Effenberg lernen

Der FC Bayern schlägt Wolfsburg 1:0 – Kahn und Zé Roberto finden zu alter Stärke zurück

Daniel Pontzen

Von Daniel Pontzen

München. Rein körperlich ist Stefan Effenberg längst in der niedersächsischen Provinz angekommen. Gedanklich jedoch fällt es ihm manchmal noch schwer, sich vom Koordinatensystem des Münchner Nobelklubs zu lösen, dessen Mittelpunkt er einst war. Als Ko-Kommentator der Champions League hat er seinen ehemaligen Kollegen Tipps gegeben, wie sie den Erfolg zurückholen können nach München. Zu Beginn des gestrigen Spiels seiner Wolfsburger im Olympiastadion wirkte es, als wolle er nun eine Praxisschulung folgen lassen. Die Bayern lernten zu gut: Am Ende verließen sie als Sieger den Platz. Mit dem 1:0 festigten die Bayern die Tabellenführung in der Bundesliga.

Aber zunächst stand Effenberg im Mittelpunkt. Nachdem ihn die Ex-Mitspieler vor Anpfiff brav der Reihe nach mit Handschlag begrüßt hatten, machte er deutlich, woran es den Bayern in der noch jungen und auf europäischer Ebene schon so schmachvollen Saison am schmerzlichsten fehlte: an einem Effenberg in Hochform. Angriffslustig suchte er jeden Zweikampf, er grätschte Bälle, trieb seine Mitspieler an. Nur zu gut zeigte das eine Szene in der 15. Minute, als Effenberg einen Sprint über 25 Meter ansetzte, um den davoneilenden Zé Roberto schulbuchgemäß umzugrätschen und ihm den Ball fair zu entreißen.

So hatte Wolfsburg erst einmal die besseren Chancen, Klimowicz und Ponte scheiterten nur knapp. Anfangs schien alles auf einen Nachmittag ganz im Sinne Effenbergs hinauszulaufen, auch Claudia Strunz, seine Lebensgefährtin, schien sich damit arrangiert zu haben, aus der mit Teppich ausgelegten Loge in den Bereich der Gäste-Vips ausquartiert worden zu sein. Nur eines fehlte aus Wolfsburger Sicht: „Wir hatten glasklare Chancen“, sagte Effenberg später, „die hätten wir nutzen müssen.“

So blieb im Drehbuch des Spiels Platz für eine unerwartete Wendung. Ausgerechnet Zé Roberto, dessen Name am engsten mit der Kritik am neuen Schönspielertum der Bayern verknüpft war, dem man schon die Fähigkeit absprach, sich die bayrische Siegermentalität zu Eigen zu machen, ausgerechnet Zé Roberto avancierte bei Effenbergs Rückkehr zum Spieler des Tages. Mehrfach degradierte der Brasilianer seine Gegenspieler zu Statisten, schlug präzise Flanken und wirbelte über den ganzen Platz – so, wie man es bisher nur aus seiner Leverkusener Zeit kannte.

So entstand auch das einzige Tor nach einer feinen Vorarbeit des Brasilianers. Roque Santa Cruz wuchtete Zé Robertos Flanke ins Wolfsburger Tor. Später bediente der Edeltechniker Elber und Ballack derart glänzend, dass es beinahe unhöflich war, die Chancen nicht zu nutzen. Von Effenbergs Nachfolger Ballack war ohnehin nicht allzu viel zu sehen.

„Zé hat stark gespielt“, sagte Trainer Ottmar Hitzfeld. Gänzlich zufrieden mit der Darbietung seines Teams war er aber nicht: „Wir haben in der zweiten Halbzeit zu viel verteidigt, da hätten wir mehr machen müssen.“ Immerhin: „Es war ein weiterer Schritt nach vorne.“ Über einen anderen Auftritt konnte sich Hitzfeld uneingeschränkt freuen: Torwart Oliver Kahn feierte nach zuletzt sehr unruhigen Wochen so etwas wie eine sportliche Wiederauferstehung. Zweimal standen VfL-Angreifer alleine vor ihm - einmal Petrov, einmal Ponte – zweimal erinnerte Kahn mit blendenden Reaktionen daran, wieso er im Eins-gegen-eins lange als unüberwindbar galt. „Es war wichtig für ihn, dass er sich auszeichnen konnte“, sagte Hitzfeld. Ein drittes Lob zollte er seinem ehemaligen leitenden Angestellten. „Effe hat eine tolle Leistung geboten.“ Fast ein wenig eifersüchtig klang es, als er seinem Kollegen Wolfgang Wolf attestierte, mit Effenberg einen „absoluten Leader“ in seinen Reihen zu haben. „Er ist ein Supertyp.“

Demnächst wird Effenberg wieder seinen Nebenjob beim Fernsehen ausüben, da jedoch wird er nichts mehr mit den Bayern zu tun haben. Sein Arbeitgeber überträgt ausnahmslos Spiele aus der Champions League.

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