Sport : Von Ehrgeiz getrieben

Mike Penberthy will Alba Berlin zum Titel führen

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Berlin – Wenn Mike Penberthy einen Blick in den glorreichsten Teil seiner sportlichen Karriere werfen will, muss der neue Basketballprofi von Alba Berlin in Los Angeles einen Safe öffnen. Dort liegt der ChampionshipRing, den er 2001 für den NBA-Titel mit den LA Lakers erhalten hat. Doch der 30-Jährige ist keiner, der in der Vergangenheit schwelgt. Penberthy ist nicht nur NBA-Champion (wobei er in den Play-offs gar nicht spielte) und Ex-Kollege von Shaquille O’Neal und Kobe Bryant. Er ist vor allem Realist, Familienvater und bekennender Christ. Als die Lakers ihn im Herbst 2001 wieder abgaben, unterschrieb er bei Pompea Neapel, und nahm in Kauf, dass das Team damals in der Zweiten Liga spielte. „Ich wollte spielen, das Leben ist kurz.“ In Berlin fühlt er sich wohl, doch die fünfwöchige Trennung von seiner Familie setzte ihm zu. Gestern Abend sollten seine Frau, seine zwei Monate alte Tochter und seine beiden kleinen Söhne endlich in Berlin landen. Sie und sein Glaube geben ihm Halt. Seine Basketballkarriere hat er am Master’s College in Santa Clarita (Kalifornien) begonnen, wo er den Bachelor of Arts in Bibelstudien gemacht hat. Manchmal steckt Penberthy den Ring aus dem Safe doch an: in der Kirche.

Nun will Mike Penberthy mit Alba Meister werden. Dass sich die Berliner nach zwei mageren Jahren dieses Ziel gesetzt haben, hat ihn dazu gebracht, Neapel nach vier Jahren zu verlassen. „Ich könnte anderswo mit weniger Druck mehr verdienen. Aber ich will gewinnen und an meine Grenzen gehen“, sagt er. Kürzlich hat er im Training bei 102 Freiwurf-Versuchen 100 Mal getroffen. Eine ziemlich normale Quote, wie der US-Amerikaner findet, der auch ein exzellenter Distanzschütze ist, „ein Schütze, wie wir ihn noch nie hatten“, hat Albas Vizepräsident Marco Baldi gesagt. Das bewies Penberthy gestern Abend auch bei der Basketball Trophy in der Max-Schmeling-Halle beim 91:90 gegen den Polnischen Meister Sopot. Bis zum vierten Viertel machte er keinen einzigen Punkt, dann drehte er mit drei Dreipunktewürfen das Spiel. „Wenn ich einmal treffe, gehen meistens noch drei rein“, sagte er. Heute ermittelt Alba gegen Zalgiris Kaunas aus Litauen (gestern 89:81 gegen Leverkusen) den Turniersieger (Beginn 16.30 Uhr).

Die Stimmung im Team gefällt Penberthy, der in der vergangenen Saison zweitbester Werfer im Uleb-Cup war (22,1 Punkte im Schnitt), „wir haben viele erfahrene Spieler, die wissen, dass es gute und schlechte Tage gibt und dass wir uns gegenseitig brauchen. Es gibt keinen Egoismus.“ Und gewürgt wird er auch nicht, so wie 1999/2000, als er bei den Hamburg Tigers spielte und vom damaligen Alba-Spieler Frankie King angegriffen wurde. King wurde entlassen, Penberthy ging später freiwillig - zu den Lakers. Von 18 Spielern sollten kurz vor Saisonbeginn drei aussortiert werden. „Der General Manager hat mir gesagt, dass ich keine Chance haben würde“, erzählt Penberthy. Doch er blieb. Seine NBA-Bilanz: 53 Spiele, mit durchschnittlich 16 Minuten Spielzeit und fünf Punkten. Die Erinnerung daran liegt im Safe. ru/ist

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