Sport : Von Eseln und Eisbären

SVEN GOLDMANN

HELSINKI .Ende September waren die Frankfurt Lions in Helsinki.Offiziell, um Eishockey zu spielen, aber davon war beim Europaligaspiel gegen IFK Helsinki wenig zu sehen.Die Deutschen prügelten sich zu 100 Strafminuten, verloren 3:9, und eine finnische Tageszeitung schrieb am nächsten Tag, die Löwen sollten sich doch am besten in Frankfurter Esel umbenennen, so dumm hätten sie gespielt.

Dieser Eindruck hat die finnischen Fans geprägt, und darum waren sie auch so überrascht von der zweiten deutschen Mannschaft, die sich binnen drei Wochen zu einem Europaligaspiel in Helsinki vorstellte.Schau an, diese Berliner Eisbären sind keine Esel, ja sie spielen taktisch so diszipliniert wie noch keine andere Mannschaft, die sich in dieser Saison bei Jokerit Helsinki vorgestellt hat, am Ende bringen sie dem Tabellenführer der Suomi-Liga mit 3:1 eine nie erwartete Niederlage bei.Und das entscheidende dritte Tor schießt ausgerechnet ein Landsmann: Niklas Hede, der rotblonde Wirbelwind in Diensten der Eisbären, der vor vier Jahren noch bei Jokerits Lokalrivalen IFK gespielt hat.

Für Hede war dieses Tor mehr als nur der erfolgreiche Abschluß eines schnellen Konters, mehr als das I-Tüpfelchen auf dem immer wahrscheinlicher werdenden Einzug ins Viertelfinale der Europaliga.Es war der Triumph über einen Trainer, der nicht gerade zu den besten Freunden des finnischen Eisbären zählt und der vielleicht sogar verantwortlich dafür ist, daß Niklas Hede jetzt bei den Eisbären und nicht in Helsinki spielt.

Der Reihe nach: Jokerits Coach Hannu Kapanen stand in der Saison 1994/1995 bei IFK Helsinki unter Vertrag und sorgte damals dafür, daß der hoffnungsvolle Hede aus der Hauptstadt in die Provinz nach Hämmeenlinna abgeschoben wurde.Persönliche Animositäten spielten eine Rolle, dazu der Spielerstreik in der NHL, der zahlreiche Stars für ein paar Wochen zurück in die Heimat spülte.Der große Jari Kurri trug damals das Trikot von IFK, und für den kleinen Niklas Hede blieb nur noch ein Platz auf der Bank, obwohl er zuvor zu den Topscorern der Mannschaft gezählt hatte.

"Ich wäre damals schon gerne in Helsinki geblieben, aber es hatte einfach keinen Sinn mehr", erzählt Hede den finnischen Journalisten, bei denen er am Dienstag abend so gefragt ist wie kein anderer.Seitenweise berichten regionale und überregionale Blätter am nächsten Morgen über den verlorenen Sohn, die Schlagzeile "Hede eliminiert Jokerit" macht im Flugzeug zurück nach Berlin die Runde.Von Hannu Kapanen ist lediglich die seltsame Aussage überliefert, seine Spieler hätten Angst gehabt "vor den kanadischen Namen auf den Berliner Trikots".Dabei haben sie einen finnischen offensichtlich ganz vergessen.

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